Handelskammer Hamburg 2009

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Erfurth GmbH

Blutiger Nagel

Das Produkt

Ein Nagel, der versehentlich im Finger statt in der Wand landet, bringt den Betroffenen für gewöhnlich auf direktem Weg ins Krankenhaus und nicht zum Lachen. Es sei denn, es handelt sich um den „Blutigen Nagel“ der Firma Erfurth. Diesen kann man nämlich ganz einfach auf den Finger stecken und dann wieder abnehmen, sobald man seinem Gegenüber einen gehörigen Schrecken eingejagt hat. Seit 25 Jahren gehört der Nagel schon zum festen Sortiment der Eimsbütteler Firma. „Ein echter Klassiker“, erzählt Dirk Erfurth, der Geschäftsführer des Unternehmens. Die Idee ist so einfach wie wirkungsvoll: Ein gewöhnlicher Nagel wird in der Mitte gebogen, sodass ein Finger in die Mulde passt. Drum herum wird dann eine Mullbinde gewickelt. „Dann kommt noch ein Klecks Farbe drauf, und schon sieht das Ganze ziemlich ekelig aus“, so der Senior-Chef Heinz Erfurth. Der 79-Jährige erinnert sich noch gern an erste Testversuche. Als seine Mutter einmal im Krankenhaus war, steckte sie sich den Nagel auf den Finger und präsentierte diesen dann im Schwesternzimmer. „Die haben ganz schön komisch geguckt“, schmunzelt er. Besonders beliebt ist der Metall-Schreck bei Kindern. Das wissen auch die Herausgeber der Zeitschrift „Micky Maus“ und gaben den Blutnagel in einer Plastikversion schon viermal als Extrabeilage für das Heft in Auftrag: In Deutschland, Norwegen, Schweden und Dänemark. Gelacht wird schließlich überall.

Die Geschichte

Gegründet wurde das Unternehmen vor 90 Jahren von Wilhelm Erfurth, dem Vater und Großvater der jetzigen Geschäftsführer. Zunächst wurden im Geschäftsgebäude in der Vehrenkampstraße nur einige wenige Produkte hergestellt wie unechte Hundehaufen und versalzene oder mit Senf gefüllte Pralinen. Schnell stand die Familie deshalb in dem Ruf, dass bei ihr nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. „Bei unseren Feiern wollte nie jemand etwas essen, weil die Leute immer dachten: Da stimmt gewiss was nicht“, erinnert sich Heinz Erfurth augenzwinkernd. Und das Humor-Gen liegt in der Familie, denn mit Dirk Erfurth als Geschäftsführer besteht das Unternehmen nun schon in der dritten Generation. Als der heute 43-Jährige 1990 startete, wollte er eigentlich „nur mal reinschnuppern“, doch schon nach einem Jahr stand fest: „Ich bleibe.“ Was dann folgte, waren goldene Jahre für die Scherzartikel-Branche: „Die aus dem Osten kannten so etwas ja gar nicht und wollten gucken, was wir für lustige Sachen haben“, erklärt sich Heinz Erfurth den Erfolg mit den Scherzartikeln. Aus einer Handvoll Produkte sind bis heute knapp 400 geworden, die in ganz Europa, meist in Spielwaren- und Spezialgeschäften für Zauberer, verkauft werden. Darunter auch Faschings- und Silvesterartikel. Doch der Nagel ist heute eines der wenigen Produkte, die noch in Hamburg hergestellt werden. Die meisten anderen werden inzwischen in Fernost gefertigt.

Das Unternehmen

Silvester liegt nun schon Wochen zurück, und auch Fasching ist gerade vorbei. Für das Unternehmen geht es jetzt wie jedes Frühjahr in die „Saure-Gurken-Zeit“. Dieses Jahr kommen mit der Finanzkrise besonders schwierige Bedingungen hinzu. Aber das Familienunternehmen kann mit 90-jähriger Erfahrung auf viele bewegte und schwierige Jahre zurückblicken und lässt sich deshalb nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Die Erfurths und ihre zehn Mitarbeiter wissen sich die Krise sogar zunutze zu machen. Der neueste Gag der Firma ist – passend zur Finanzkrise – entwickelt worden: Eine gläserne Spardose mit einem Extrafach fürs Finanzamt, in das automatisch alle Münzen fallen, während das eigene Fach leer bleibt. Ein Beispiel, das zeigt, dass die Scherzartikelhersteller auch in schwierigen Zeiten den Humor nicht verlieren – und nicht verlieren dürfen. Schließlich ist dieser besonders in ihrer Branche unerlässlich. 

Juliane Kmieciak
juliane.kmieciak@hk24.de
Telefon 36 13 8 563
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hamburger wirtschaft, Ausgabe April 2009