Handelskammer Hamburg 2010

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Karriere

Frauen starten durch

In Hamburg vernetzen sich immer mehr Frauen in Businessclubs. Mit strategischer Kontaktpflege wollen sie sich gegenseitig den Weg für Spitzenpositionen ebnen.
Es war ein trüber Tag, an dem Dorothee ­Engel feststellen musste, dass ihr Kollege nicht nur mehr Geld verdiente, sondern sie auch noch auf der Karriereleiter überholen wollte. Beide hatten den Job mit der gleichen Qualifikation angetreten. Ihr Kollege war geschickt darin, seine Karriere voranzutreiben. Er wusste, wie man mit anderen Männern in Netzwerken klüngelt und in Seilschaften die richtigen beruflichen Kontakte knüpft – und sie vor allem auch pflegt. Jemand, der das ­beherrscht, hat es beim Aufstieg leichter. Das hat nichts mit Freundschaft zu tun, sondern mit Interessen. Man trifft sich am Stammtisch, auf dem Golfplatz oder aber im ­Businessnetzwerk. Doch was Männer seit Langem als Strategie nutzen, müssen karrierewillige Frauen erst lernen. „Und das“, sagt Engel, „geht am Anfang am besten unter Gleichgesinnten.“

Heute, 20 Jahre später, ist sie Chefin des Hamburger Buchkontors und arbeitet ehrenamtlich im Vorstand von FIM, der Vereinigung von Frauen im Management. FIM ist ein branchenübergreifendes Frauen-Businessnetzwerk, das in Hamburg 55 und bundesweit 150 Mitglieder zählt. In ihrem Club setzt sich ­Dorothee Engel unter anderem dafür ein, dass Frauen ihre Interessen durchsetzen. „Männer dominieren die Chefetagen“, sagt die 50-­Jährige. „Um das zu ändern, darf man nicht zu ängstlich sein und muss schon den Mut haben, den Mund aufzumachen und ­Ungerechtigkeiten anzusprechen.“ Hauptsächlich Managerinnen und Selbstständige treffen sich einmal im Monat in der DAK-­Zentrale und unterstützen sich bei sämtlichen Fragen des Berufsalltags.

In Hamburg können Frauen in branchenspezifischen und branchenübergreifenden Frauennetzwerken Mitglied werden. Meist sind es Selbstständige und Managerinnen, die den Kontakt zu anderen Frauen in einem ­Businessclub suchen. Bei den Veranstaltungen dieser Clubs, die einen Jahresbeitrag zwischen 60 und 150 Euro verlangen, geht es um zielstrebiges Vernetzen. Sie tauschen Informationen über Unternehmen und Branchen aus, geben Tipps und öffnen Türen, indem sie sich gegenseitig für bestimmte Jobs empfehlen. Spezielle Mentoring-Programme unterstützen besonders Berufsanfängerinnen und Frauen in beruflichen Umbrüchen.

Eva Verse hatte viele Fragen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Seit fünf Jahren engagiert sie sich deshalb für das Netzwerk webgrrls.de, das sich hauptsächlich als virtueller Club für weibliche Fach- und Führungskräfte in den Neuen Medien versteht. 70 Hamburgerinnen sind dort vernetzt. Als Webdesignerin profitiert Eva Verse von den bundesweit 700 Mitgliedern, die sich in Mailinglisten austauschen. In Hamburg treffen sie sich auch zu Vorträgen, die Themen wie ­„Geschicktes Gehalts- und Honorarverhandeln“, „Datenschutz“ und „Selbstvermarktung“ behandeln. Die 40-Jährige schätzt das unkomplizierte Miteinander bei webgrrls.de. „Wenn ich Fragen zum Programmieren habe oder mit technischen Problemen hadere, kann ich meine Frage ins Netz stellen und bekomme sofort Hilfe“, sagt sie. „Keiner hat Angst, sich zu blamieren, und niemand will sich ­profilieren.“

Um bessere Jobs und um gegenseitiges Empfehlen geht es auch den Frauen von BPW (Business und Professional Women Hamburg), die ihre Treffen im Sommer auch schon mal auf ein Segelboot verlegen oder auf den Golfplatz. BPW ist mit 1 750 bundesweiten Mitgliedern das größte Karrierenetzwerk von Frauen in Deutschland. 65 Hamburgerinnen aus dem mittleren Management treffen sich auf den Netzwerkabenden im Hotel Baseler Hof, tauschen sich beim Essen aus und diskutieren im Anschluss an die Vorträge.

International vernetzt sind die Frauen bei EWMD (European Women’s Management ­Development Network), das in Hamburg 53, bundesweit 350 und international 730 Mitglieder zählt. Juliane Chakrabarti, Leiterin der Hamburger Gruppe, schätzt den Kontakt zu anderen Frauen in Führungspositionen: „Das gibt Kraft, allein schon, um im Arbeitsalltag nicht zu versacken.“ Die Leiterin einer sozialen Einrichtung engagiert sich seit sechs Jahren für EWMD. Die Mitglieder sehen sich im Renaissance Hotel. Dabei sind es immer wieder ähnliche Themen, die zur Sprache kommen: dass Frauen immer nur bis zu einer bestimmten Position aufsteigen, dass sie schlechter bezahlt werden als Männer, dass sie Probleme haben, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, und dass sie zu ­wenig in den Aufsichtsräten mitmischen.

Der VdU (Verband deutscher Unternehmerinnen) fordert eine Frauenquote von 40 Prozent in den Aufsichtsratsgremien. „Eine solche Quote wird in Norwegen bereits erfolgreich praktiziert“, sagt die VdU-Landesvorsitzende für Hamburg und Schleswig-­Holstein, Kristina Tröger. Der Verband, in dem ausschließlich ­Unternehmerinnen organisiert sind, bietet ­zur Qualifizierung entsprechende Seminare an und führt darüber hinaus bundesübergreifend eine Datenbank mit Aufsichtsratskandida­tinnen. Aus dieser Datenbank könne nahezu jede Aufsichtsratsposition „weiblich“ besetzt werden, so die Unternehmerin.

Der VdU wurde 1954 als Frauennetzwerk ins Leben gerufen. Seinerzeit waren Verbände oder andere Netzwerke ausschließlich eine Männerdomäne. Heute sind rund 130 Unternehmerinnen in Hamburg und Schleswig-Holstein im VdU organisiert. Zudem gibt es die 2001 gegründete Käte Ahlmann Stiftung, in der Kristina Tröger ebenfalls im Vorstand ist. Diese, sagt sie, biete ein Mentoring-­Programm von der Unternehmerin zur Unternehmerin an. Die Stiftung wurde unter anderem auch von Unternehmerinnen des VdU gegründet. Erfolgreich unterstützen Mentorinnen die Mentees bei allen Unternehmensfragen. Kristina Tröger: „Hamburg ist nicht ohne Grund die Hauptstadt der Unternehmerinnen. Wir sind sehr aktiv und ausgesprochen gut vernetzt.“

Katja Kasten
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36138-305

Kontakt


BPW Hamburg (Business und Professional Women Hamburg), Christiane Clobes, E-Mail info@bpw-hh.de

EWMD (European Women’s Management Development Network), Juliane Chakrabarti, E-Mail kontakt.hamburg@ewmd.org

FIM (Frauen im Management), Elke Holz, Telefon 5323837, E-Mail info@fim.de

Internationaler Lyceum Club Hamburg, Gabriele Steffen, Telefon 44465992,
E-Mail gabriele_steffen@t-online

Managerstammtisch, Claudia Ludwig, Telefon 417279, E-Mail seminare@claudialudwig.de

VdU (Verband deutscher Unternehme­rinnen), Kristina Tröger, Telefon 6039387, E-Mail info@troeger-partner.de.

webgrrls.de, Eva Verse, Telefon 22739296, E-Mail hamburg@werbgrrls.de

hamburger wirtschaft, Ausgabe Juni 2010