Handelskammer Hamburg 2010

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Freizeitwirtschaft

Erfolgsfaktor Spiel und Spaß

Volle Spielplätze trotz Schietwetters? Klettern ohne Berge? Findige Hamburger Unternehmer machen es möglich. Ob drinnen oder draußen – Freizeitaktivitäten mit „Kick“ boomen.
Deutschlands steilste Rutsche steht in Hamburg. Neigungswinkel: 75 Grad – von unten sieht das machbar aus. Von oben betrachtet sieht die Sache allerdings schon anders aus. „Aber wer einmal runtergerutscht ist, der will noch einmal“, sagt Achim Landvogt. Er betreibt in Stellingen zusammen mit seiner Frau Brigitte „Rabatzz!“, Hamburgs größten Indoor-Spielplatz. Auf 3 400 Qua­dratmetern stehen 200 Spielelemente für Groß und Klein. 140 000 Gäste toben, wippen und hüpfen im Jahr durch die ehemalige Mö­belhalle. Geburtstage, Betriebsausflüge und Produktpräsentationen: Längst ist der Spielplatz auch für Erwachsene und Unternehmen interessant. „40 Prozent der Gäste sind Erwachsene – Tendenz steigend“, freut sich Landvogt.

Der Ingenieur tüftelt zusammen mit Anbietern selbst neue Spielelemente aus. Massenhersteller für die Spielgeräte, die extrem belastbar sein müssen, gibt es in diesem Segment ohnehin nicht. Seit August 2009 be­treiben die Eheleute Landvogt neben dem „Rabatzz!“ auch noch eine Adventure-­Minigolfanlage. Das Besondere: Im sogenannten „Schwarzlichtviertel“ werden die Bälle unter Schwarzlicht über die Bahnen geschlagen – eine einmalige Einrichtung in Deutschland.

Beide Geschäftsideen stammen ursprünglich aus den USA und kommen nach und nach in Deutschland an. „Vor allem in den letzten Jahren hat sich der Markt für Indoor-
Spielplätze in Deutschland rasant entwickelt“, sagt Andreas Konrath, Senior Con­sultant bei der Wenzel Consulting AG, einem Hamburger Beratungsunternehmen für Freizeitanlagen. Inzwischen gibt es 350 Unter­nehmen in Deutschland, die ausgediente Sport- oder Gewerbehallen zu Indoor-Spielplätzen umgebaut haben. „Langsam ist der Markt jedoch gesättigt“, so Konrath. Achim Landvogt, Gewinner des Hamburger Gründerpreises, ist hingegen zuversichtlich: „Wir entwickeln immer neue Ideen und bleiben so attraktiv.“

Auch Freizeitaktivitäten im Freien (outdoor) boomen. Das Sport- und Hallenklettern wird in Hamburg immer populärer und ist zu einer regelrechten Trendsportart geworden. Der Deutsche Alpenverein er­öffnete 2003 die erste Hamburger Kletterhalle und hat in der Hansestadt seither rund 8?000 neue Mitglieder gewinnen können.

Dem Freizeittrend folgen auch andere neue Geschäftsmodelle: Mit dem „Salon du Bloc“ hat in Hamburg 2008 ein Kletter-­Café eröffnet. Dort kann man an einer 400 Quadratmeter großen Kletterfläche ohne Seil in niedrigen Höhen klettern, wobei Fans und Fachleute von „bouldern“ (abgeleitet vom englischen Wort „boulder“ für „Felsblock“) sprechen.

Im Kletterwald Hamburg können sich seit Juni 2009 große und kleine Kletterer in Volksdorf auf sechs verschiedenen Routen durch die Baumwipfel hangeln. Und noch in diesem Jahr können Freizeitkletterer in Planten un Bloomen den ersten urbanen Hochseilgarten der Stadt nutzen. „Klettern ist als Sport- und Freizeitaktivität in den vergangenen Jahren sehr populär geworden“, bestätigt auch An­dreas Konrath. „Hochseilgärten und Kletterparks haben von diesem Trend stark ­profitiert.“

Diese Erfahrung teilt auch die Halimos AG. Das Unternehmen nutzt den Freizeittrend Klettern und betreibt seit 2006 den Hochseilgarten Elmshorn und seit 2008 Europas größten Hochseilgarten in Kaltenkirchen. Das noch junge Unternehmen beschäftigt bereits sieben Mitarbeiter und 60 freie Trainer.

Privatpersonen, die in den teilweise schwindelerregenden Höhen über sich hinauswachsen wollen, sind an Sonntagen zwar gern gesehene Gäste. „Unsere Kernkompetenz sind jedoch maßgeschneiderte Trainings, ­Incentives und Großevents für Unternehmen“, sagt Tobias Schoppenhauer, Vorstand der ­Halimos AG. 80 Prozent der Kunden sind ­Unternehmen wie beispielsweise die Hamburger Volksbank. Denn: Klettern macht nicht nur Spaß, sondern es stärkt auch Zusammenhalt und Teamgefühl. Zwei Personen, die in ungewohnter Höhe füreinander verantwortlich sind, finden auch im beruflichen Alltag besser zu­einander. Auch ein klareres Führungsverhalten lässt sich mit dem Instrument Hochseilgarten erproben. „Einer Führungskraft, die hier nicht vorangeht, folgt kein Kollege nach“, so Schoppenhauer. Um neben dem Spaß auch noch für den Berufsalltag zu lernen, begleitet ein Teamprozesstrainer die Schritte der Klettergruppen.

Durch die Idee des Hochseilgartens ist das Klettern bei vielen Personalverantwortlichen ein beliebtes Teamentwicklungsinstrument geworden. So gilt immer öfter: Wer einmal geklettert ist, der will es wieder tun.
Anna Böhning
anna.boehning@hk24.de
Telefon 36138-274

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2010