Handelskammer Hamburg 2010

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Firmengeschichte

History Marketing als Geschäftsidee

Unternehmen planen ein Jubiläum, eine Festschrift oder eine Ausstellung oder überlegen, ein Firmenarchiv aufzubauen – Dienstleister können dabei helfen.
Mehr und mehr Unternehmen ent­decken Geschichte als Identitäts- und Marketingfaktor. Bewusst gelebte Geschichte, anhaltender Erfolg in einer Sparte oder mit einem Produkt begründen Tradition und Identität einer Firma. Tradition schafft Vertrauen bei den Kunden, aber auch bei den eigenen Mitarbeitern. Andere Unternehmen sparen durch historische Recherchen Kosten ein oder lösen Rechtsunsicherheiten, etwa bei Patentstreitigkeiten, mit Dokumenten aus dem eigenen Firmenarchiv. Zudem bietet die Geschichte des Unternehmens oder einzelner Marken vielfältige Gelegenheiten, an die Öffentlichkeit zu treten und Werbung für den eigenen Betrieb zu machen. Seit den 1990er-Jahren verstehen immer mehr Firmen Geschichtsmarketing als wichtigen Zweig der Öffentlichkeitsarbeit. Doch oft stoßen die Unternehmen an ihre Grenzen, wenn sie versuchen, die Aufarbeitung und Aufbereitung der eigenen Geschichte selbst zu übernehmen. Ihre Mitarbeiter sind Spezialisten für das Alltagsgeschäft, sei es nun Groß- und Außenhandel, Logistik, Schiffsbau oder die Herstellung chemischer, pharmazeutischer oder kosmetischer Produkte. So hat sich parallel zur wachsenden Bedeutung der Unternehmensgeschichte als Marketingfaktor eine eigene Dienstleistungssparte herausgebildet: Spezialisten, die den Firmen beim „History Marketing“ unter die Arme greifen können – Historiker und andere Geisteswissenschaftler.

Einer der Ersten, der die sich aus dem wachsenden Bedürfnis der Firmen nach historischer Positionierung auftuende Marktlücke für sich entdeckte, war Sven Tode. Heute ist er mit dem 1998 gegründeten Institut für Firmen- und Wirtschaftsgeschichte (ifw) sehr erfolgreich und fest im Markt etabliert. Die Spezialität seines Instituts sind vor allem Publikationen wie Jubiläumsschriften und Bücher zur Markengeschichte von Unternehmen. Hierbei zeichnet das ifw aus, dass es komplette Kommunikationskonzepte liefert, die sich an den allgemeinen Marketingstrate­gien der jeweiligen Betriebe orientieren. Doch auch andere sind in ähnlichen Bereichen tätig: Die beiden Historikerinnen Claudia Thorn und Sybille Baumbach zum Beispiel recherchieren zwar auch schon mal für Michael Batz, der den jährlich in der Speicherstadt aufgeführten „Hamburger Jedermann“ geschrieben hat, vor allem aber unterstützen sie Firmen, Vereine und Privatpersonen bei der Ordnung und Archivierung ihrer Unterlagen.

Teils in Zusammenarbeit mit öffentlichen Instituten wie dem Staatsarchiv, erfassen Thorn und Baumbach die Unterlagen in einer Datenbank und erstellen ein Verzeichnis. Oft dient dieser Archivaufbau zur Vorbereitung auf Jubiläumsschriften oder kleinere Firmendarstellungen, zum Beispiel in Broschüren. Als Zwei-Frau-Unternehmen kann sich ihre Firma, die sie Dokusearch genannt haben, besonders flexibel auf Kundenwünsche einstellen.

Ein Gesamtleistungspaket bietet den Unternehmen Geschichtswerk eG an. Dieser Zusammenschluss von inzwischen 27 Historikern aus Hamburg, Berlin, Bremen, Kiel und Köln hat sich zudem eine interessante Organisationsform gewählt, handelt es sich doch um eine Genossenschaft. Die große Mitgliederzahl bedeutet auch ein breites Spektrum an Angeboten: Von der Texterstellung und der wissenschaftlichen Beratung über den Archivaufbau bis hin zu Ausstellungen. Gerade letztere gehören neben den Darstellungen zur Unternehmensgeschichte zu den gefragtesten Produkten aus dem Angebot der Genossenschaft. Außerdem fühlt sich Geschichtswerk der eigenen Gesellschaftsform besonders verbunden und engagiert sich stark im Bereich der Genossenschaftsgeschichte.

All diese Angebote sind interessant für Unternehmen, denen es im Wesentlichen um die Aufarbeitung und Darstellung der eigenen Firmengeschichte oder um Recherchen zur Klärung von Rechtsfragen geht. Oft stehen Firmen jedoch vor dem Problem, wie die eigene schriftliche Überlieferung für die Ewigkeit bewahrt werden kann, die letztlich die Grundlage für diese Aufarbeitung und Darstellung bildet. Nicht jeder Betrieb kann oder will sich ein eigenes Firmenarchiv leisten, sei es nun durch eigene Mitarbeiter betreut oder durch Dienstleister geordnet. Oft fehlt auch der Raum dafür, die alten Unterlagen ­sicher zu lagern. Die externen Dienstleister würden das Archiv zwar ordnen, bieten aber keinen Lagerraum, das Platzproblem bliebe ­ungelöst.

Seit Anfang 2008 gibt es in Hamburg ­eine Einrichtung, die den Unternehmen eine Lösung für dieses Problem anbietet: Die Handelskammer möchte dafür sorgen, dass möglichst viel schriftliche Dokumentation zur Wirtschafsgeschichte Hamburgs erhalten bleibt und gesichert wird. Deshalb hat sie mit der gemeinnützigen Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv ein regionales Archiv gegründet. Dieses bietet Betrieben, die kein eigenes Archiv unterhalten, an, deren Unterlagen aufzubewahren und zu sichern. Die schriftlichen Überlieferungen werden vom Wirtschaftsarchiv geordnet, verzeichnet und für die Ewigkeit bewahrt.

Das Archiv ist aber auch eine Forschungseinrichtung: In Absprache mit den Unternehmen macht es die Unterlagen für die Wissenschaft zugänglich und sorgt dadurch für bessere Kenntnis der wirtschaftsgeschichtlichen Wurzeln des Standortes Hamburg.
Kathrin Enzel
kathrin.enzel@hk24.de
Telefon 36138-517

hamburger wirtschaft, Ausgabe April 2010