. .
Illustration

STANDORTPOLITIK

Portrait des Wirtschaftsstandorts Hamburg

Wirtschaftsstandort Hamburg – Metropole der Dynamik

Die zweitgrößte Stadt Deutschlands und zweitgrößter europäischer Containerhafen, Sitz des Internationalen Seegerichtshofs, Wiege von Nivea und Montblanc, Produktionsstätte von Airbus, Geburtsstadt von Johannes Brahms und Felix Mendelssohn Bartholdy, Heimat des Tierparks „Hagenbeck”, des ersten gitterlosen Tierparks der Welt ... Das und noch viel mehr ist Hamburg!

Mit dem im Jahr 2002 vom Hamburger Senat aufgelegten Programm „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt” wollen Politik und Wirtschaft im Schulterschluss Hamburg in die Spitzengruppe der internationalen Metropolen katapultieren. Erste Erfolge haben sich bereits eingestellt: Entgegen dem bundesweiten Trend und dank einer weltoffenen Zuwanderungspolitik ist die Einwohnerzahl seit 1999 kontinuierlich gestiegen. Heute leben 1,75 Millionen Einwohner im Stadtgebiet und damit 2,1 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung. Das macht Hamburg zur sechstgrößten Stadt Europas.

Hamburger Unternehmen beschäftigen 1,06 Millionen Erwerbstätige und damit 2,7 Prozent der Erwerbstätigen Deutschlands. Mit 49 230 Euro hat Hamburg je Einwohner das höchste Bruttoinlandsprodukt (BIP) aller Bundesländer – 1,76 Mal soviel wie der Bundesdurchschnitt von 27 970 Euro. Insgesamt erwirtschaftet die Hansestadt 3,7 Prozent des deutschen BIP. Im europäischen Vergleich belegt Hamburg den vierten Platz, nur Inner-London, Brüssel und Luxemburg weisen, gemessen in Kaufkraftstandards, im vergangenen Jahr ein höheres BIP pro Kopf auf. Hamburgs Wirtschaftskraft strahlt weit über seine Stadtgrenzen hinaus. Einschließlich der benachbarten Gebiete Niedersachsens und Schleswig-Holsteins leben in der Metropolregion 4,2 Millionen Menschen und arbeiten zwei Millionen Erwerbstätige, die ein Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 31 400 Euro je Einwohner erwirtschaften.

Die Hamburger Wirtschaft ist im Schwung: Im Jahr 2006 betrug ihr Wachstum real 2,9 Prozent. Das sind 0,4 Prozentpunkte mehr als der Bundesdurchschnitt. Dabei profitiert die Stadt von einer günstigen geografischen Lage: Seit der Marktöffnung Zentralund Osteuropas und der EU-Osterweiterung im Jahr 2004 ist Hamburg Drehscheibe für die Handels- und Verkehrsströme aus Nordeuropa und den Boomregionen Asien und Baltischer Raum. Ob hoch spezialisierte Fachmesse oder publikumsstarke Verbraucherausstellung – die Hamburg Messe und das Congress Center Hamburg (CCH) sind Anziehungspunkt für internationale Unternehmen. Mitten im Stadtzentrum finden sich, über kurze Wege miteinander verbunden, die beiden Messe- und Kongressstandorte. Ab 2008 wird die Neue Messe Hamburg über eine Bruttofläche von 84 000 Quadratmetern, das Congress Center über 12 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 16 000 Sitzplätze sowie 23 Konferenzsäle verfügen.

Neben den ökonomischen Fakten schauen Unternehmen und Arbeitnehmer zunehmend auch auf weiche Standortfaktoren. In Hamburg finden sie ein hohes Maß an Lebensqualität. Grün- und Erholungsflächen machen 14 Prozent des Stadtgebiets aus und schaffen hohen Wohn- und Lebenskomfort. Zudem hat Hamburg im Metropolenvergleich mit 2 310 Einwohnern pro Quadratkilometer eine niedrige Bevölkerungsdichte: in Barcelona leben auf einem Quadratkilometer 4 670 Einwohner, in London 4 420. Das Kulturangebot umfasst 40 Bühnen, darunter die 1678 gegründete Hamburgische Staatsoper und ab 2009 die Elbphilharmonie in der HafenCity. Zudem 83 Museen und Sammlungen, von denen 75 privat betrieben werden, Europas modernste Mehrzweckhalle, die Color Line Arena, und die 55 000 Zuschauern Platz bietende AOL Arena.

Produzierendes Gewerbe

Produkte der Hamburger Industrie besitzen weltweit einen hervorragenden Ruf: 15 der größten deutschen Industrieunternehmen haben ihren Sitz in der Hansestadt – darunter Blohm + Voss, Tchibo oder Beiersdorf. Aber die Globalisierung und der Strukturwandel von einer industriell zu einer zunehmend von Dienstleistungen eprägten Wirtschaft haben auch in Hamburg Spuren hinterlassen. Doch dank Vielfalt und Ausgewogenheit der Industrielandschaft, eines hohen Anteils an humankapitalintensiven Gütern sowie technischer Innovationen und einer Fülle an Dienstleistern konnte und kann sich die Hamburger Industrie erfolgreich behaupten. Zu Wandel und Wachstum tragen vor allem sechs Branchen bei: Flugzeug-, Schiff- und Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Feinmechanik beziehungsweise Optik sowie Maschinenbau, Chemie, Mineralölverarbeitung und Metallerzeugung. Hinzu kommt neuerdings der Bereich Life Science. Insbesondere rohstoffbasierte und seehafenorientierte Industrien nehmen nach wie vor eine wichtige Stellung ein. So konzentrieren sich bei der Norddeutschen Affinerie, dem größten europäischen und weltweit viertgrößten Kupfererzeuger, 20 Prozent der deutschen Primärkupferproduktion.

Heute setzt sich nach Unternehmensregister das Produzierende Gewerbe – mit Bauhauptgewerbe, Bergbau und Energiegewinnung – aus rund 5 600 Betrieben zusammen und zählt nach der Erwerbstätigenstatistik 141 958 Erwerbstätige.* Der Umsatz liegt bei 72,4 Milliarden Euro. Auf Hamburg entfallen 1,1 Prozent der bundesdeutschen Industrieunternehmen mit mehr als 19 Beschäftigten, die 1,6 Prozent aller Erwerbstätigen im Verarbeitenden Gewerbe beschäftigen und damit 4,6 Prozent des gesamtdeutschen

Branchenumsatzes generieren.

Ein Highlight der Hamburger Industrie ist die Luftfahrt: Rund um die Airbus Deutschland GmbH mit ca. 11000 Mitarbeitern vor Ort, die Lufthansa Technik AG als weltgrößtem Dienstleister für die Wartung und Überholung von Flugzeugen mit 7 000 Mitarbeitern am Standort sowie die Flughafen Hamburg GmbH mit rund 1 660 Mitarbeitern haben sich über 300 kleine und mittelständische Zulieferer, Ingenieurbüros und Dienstleister mit rund 90 000 Beschäftigten in der Metropolregion, davon 35 000 im Stadtgebiet, angesiedelt. Ergänzt wird der Schwerpunkt durch eine ausgeprägte Wissensinfrastruktur, sichtbar unter anderen an der Stiftungsprofessur „Flugzeug-Systemintegration” an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Die branchenübergreifende Vernetzung von Wissenschaft, Forschung, Produktion und Verwaltung wird durch die Initiative „Luftfahrtcluster Hamburg/Norddeutschland” unterstützt.

Medizin, Medizintechnik, Biotechnologie und Pharmazie profitieren von gesunden Wachstumsperspektiven. Die 210 produzierenden Unternehmen des Bereiches Life Science mit 11000 Beschäftigten erwirtschafteten 2005 einen Jahresumsatz von 4,6 Milliarden Euro. International führend sind die 90 Unternehmen der Medizintechnik, die 45 Forschungseinrichtungen sowie die 52 staatlichen, gemeinnützigen und privaten Krankenhäuser und Kliniken. Indikator für die hohe Innovationskraft der hiesigen Unternehmen sind die jährlichen Patentanmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt. Hamburg nimmt unter den deutschen Städten den dritten Platz ein.

Auch die Nanotechnologie punktet: Hamburg ist die Heimat weltweit anerkannter Forschergruppen aus Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Informatik. Dazu gehören seit 1998 das überregionale Kompetenzzentrum Nanoanalytik, das 2003 gegründete Netzwerk HanseNanoTec, das interdisziplinäre Nanowissenschafts-Centrum, das 2005 ins Leben gerufen wurde, und das Forschungszentrum CAN – Centrum für angewandte Nanotechnologie Hamburg, das mehrheitlich in den Händen der Wirtschaft liegt. Die Palette der Themen, mit denen sich diese Institute beschäftigen, reicht von der Grundlagenforschung bis hin zur Produktentwicklung mit Nanotechnologie.

Im Baugewerbe übernahm Hamburg frühzeitig eine Führungsrolle. Hier entstand 1824 das erste zentrale Abwassersystem in Kontinentaleuropa. 1883 wurde mit der Speicherstadt der größte auf Eichenpfählen gebaute Lagerhauskomplex der Welt errichtet und mit dem Alten Elbtunnel 1911 die erste Flussuntertunnelung des Kontinents verwirklicht. Heute sind die Erweiterung und Modernisierung der Messe Hamburg und des Congress Center Hamburg nach der HafenCity das größte innerstädtische Bauvorhaben. Im Jahr 2006 arbeiteten in ca. 800 Betrieben des Bauhauptgewerbes rund 8 400 Beschäftigte, die einen Umsatz von 1,67 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Groß- und Außenhandel Hamburg ist das „Tor zur Welt”, nicht nur wegen des Hafens, sondern vor allem auch wegen der hier ansässigen Außenhändler und der international ausgerichteten Dienstleister wie Banken, Versicherungen, Verkehrsunternehmen, Berater für rechtliche oder steuerliche Fragen und Medienunternehmen. Sie unterstützen die Außenwirtschaft angefangen bei Marktanalysen über Finanzierung, logistische Abwicklung, professionelle Konfektionierung und Vertrieb bis hin zur Übernahme von Währungsschwankungsrisiken und Gewährleistungspflichten. Unter den etwa 5 000 am Außenhandel beteiligten Unternehmen in Hamburg sind gut 2 500 traditionelle Im- und Exporthändler. Erweitert um international ausgerichtete Handelsvertreter, Dienstleister und Industrieunternehmen sind es rund 20 000 Hamburger Unternehmen, die branchenübergreifende Geschäftsbeziehungen ins Ausland unterhalten. Gut 3 500 Töchter ausländischer Muttergesellschaften runden das Profil des Außenwirtschaftsplatzes ab. 100 Konsulate haben in Hamburg ihren Sitz, ebenso der Internationale Seegerichtshof, 20 Schiedsgerichte und die fünf deutschlandweit tätigen Ländervereine.

Hamburg gilt als eines der bedeutendsten Textilumschlagzentren in Europa und als größter Handelsplatz für pharmazeutisches Rohmaterial. Das Unternehmen Marquard & Bahls ist mit seinen Tochtergesellschaften das zweitgrößte Tanklagerunternehmen der Welt und einer der führenden unabhängigen Mineralölgroßhändler. Dank der hier ansässigen Kaffeeimporteure, die Neumann Kaffee Gruppe ist das größte Kaffeehandelshaus der Welt, sowie der größten und modernsten Siloanlage für Rohkaffee in Europa ist Hamburg europaweit der wichtigste Einfuhrhafen für Rohkaffee. Auch bei Tee dominiert Hamburg die europäischen Hauptumschlagplätze und hat im Teehandelshaus Hälssen & Lyon mit über 5 000 Sorten das weltweit größte Lager für Teespezialitäten.

Zwei Drittel des Hamburger Außenhandels, rund 84 Milliarden Euro in 2006, entfallen auf die Wareneinfuhr. Zu den Hauptimportgütern zählen neben Genussmitteln Kupfererze und Luftfahrzeuge, aber auch Südfrüchte, Textilien und elektrotechnische Erzeugnisse. Wichtige Exportgüter sind Fahrzeuge, medizinische Geräte und chemische Erzeugnisse. Hinzu kommen die im reinen Transitverkehr gehandelten Güter, die rund 20 Prozent des Hafenumschlags ausmachen. Wichtigste Handelspartner sind Frankreich, Großbritannien, die USA sowie China.

Apropos China: Hamburger Kaufleute knüpften bereits im 18. Jahrhundert erste Handelskontakte mit China. Heute werden jährlich mehr als zwei Millionen Standardcontainer im China-Verkehr umgeschlagen. Über 700 Hamburger Firmen sind im Chinageschäft tätig, mehr als 400 chinesische Unternehmen haben sich hier niedergelassen. Alle zwei Jahre wird die Handelskammer als Veranstalter des Wirtschaftsgipfels „The Hamburg Summit – China meets Europe” zur Bühne des wirtschaftlichen Dialoges zwischen der Volksrepublik und Europa.

Wichtige Großhandelsplätze, die jeweils zwischen 750 Millionen und einer Milliarde Euro pro Jahr umsetzen, sind das ModeCentrum in Schnelsen, der Großmarkt Hamburg für Blumen, Obst und Gemüse sowie der Fleisch-Großmarkt Hamburg. Insgesamt sind im Binnengroßhandel 1 200 Unternehmen mit jeweils mindestens zehn Mitarbeitern tätig, die zusammen zehn Prozent des gesamten deutschen Binnengroßhandelsumsatzes erwirtschaften.

Zum Groß- und Außenhandel zählen 10 800 Hamburger Unternehmen, zur Handelsvermittlung noch einmal 3 800. Hinzu kommen 960 Versandhändler und 870 ambulante Händler. Der Umsatz des Groß- und Außenhandels war im Jahr 2005 7,3 Prozent höher als im Vorjahr und ist damit neben dem Bereich Verkehr/Logistik sowie Life Sciences einer der Wachstumsträger der hiesigen Wirtschaft.

Verkehr

Der Hamburger Hafen ist mit einem Güterumschlag von über 134,9 Millionen Tonnen Deutschlands größter Seehafen und einer der bedeutendsten Warenumschlagplätze der Welt. An 320 Liegeplätzen werden hier durchschnittlich 11 700 Schiffe pro Jahr abgefertigt. Im Jahr 2006 betrug der Container-Anteil am Stückgutumschlag 97,1 Prozent. 89,5 Millionen Tonnen wurden in 8,86 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen. Das bedeutet für Hamburg Platz acht unter den weltgrößten Containerhäfen und Platz zwei in Europa. Selbst die größten Containerschiffe werden auf dem Containerterminal Altenwerder dank der weltweit modernsten Umschlaganlage in weniger als 24 Stunden abgefertigt. Trumpf im Wettbewerb mit anderen Nordseehäfen ist die gute Hinterlandanbindung durch Bahn, Lkw und Binnenschiff. Seriöse Studien prognostizieren, dass sich das Containerumschlagvolumen bis zum Jahr 2015 auf über 18 Millionen Standardcontainer verdoppeln wird. Der Hamburger Hafen entwickelt sich zunehmend auch zum Kreuzfahrtzentrum, was im Jahr 2006 die 58 Anläufe mit insgesamt 75 000 Passagieren und Highlights wie die „Queen Mary II” oder die „Freedom of the Seas” unterstreichen.

Als Verkehrswege ins Hinterland haben die Elbe und das Kanalnetz, über die Ostdeutschland und die Tschechische Republik angebunden sind, erst nach der Grenzöffnung eine neue Perspektive bekommen. Heute ist Hamburg der zweitgrößte Binnenhafen Deutschlands und der größte Binnenhafen für die Tschechische Republik, die den 30 000 Quadratmeter großen Moldauhafen gepachtet hat. Im mitteleuropäischen Schienennetz stellt Hamburg mit über 280 Personenfernzügen am Tag einen bedeutenden Systemknotenpunkt dar. Acht Betreiberfirmen transportieren täglich Güter mit einer Vielzahl von nationalen und internationalen Blockzügen in fast alle Länder Europas. Rund 1 000 Betriebe mit rund 13 000 Lkw über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht betreiben in Hamburg gewerblichen Güterkraftverkehr. Den Transport kleinerer und eiligerer Sendungen übernehmen in Hamburg über 120 Kurier-, Express-, und Paketdienste, für die etwa 3 000 Kuriere im Einsatz sind.

Der Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel war der erste Flughafen in Deutschland. Im Jahr 1911 gegründet, verbinden heute rund 70 Fluggesellschaften Hamburg mit 130 Zielen in aller Welt. Rund 1 660 Beschäftigte erwirtschafteten 2006 einen Umsatz von 223 Millionen Euro. 11,95 Millionen Passagiere sicherten Fuhlsbüttel den vierten Platz unter den deutschen Verkehrsflughäfen. Seit der Eröffnung des neuen Terminals im Jahr 2005 können hier jährlich bis zu 16 Millionen Fluggäste abgefertigt werden. Ab dem Jahr 2008 wird die neue S-Bahn-Linie Flugreisende im 10-Minuten-Takt direkt vom Flughafen in nur 23 Minuten in die Hamburger City bringen.

Neben der überregionalen Verkehrsinfrastruktur verfügt Hamburg über einen leistungsstarken öffentlichen Personennahverkehr. Für durchschnittlich 1,95 Millionen Fahrgäste an Werktagen stehen drei U- und sechs S-Bahnlinien zur Verfügung. Eine Ubahnlinie in die HafenCity befindet sich im Bau, hinzu kommen mehr als 640 Buslinien im Großraum Hamburg, die Hafenfähren und die Regionalzüge der Deutschen Bahn. 585,6 Millionen Passagiere im Jahr 2006 bescherten dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) Einnahmen in Höhe von 473 Millionen Euro. Abgerundet wird das Personenverkehrsangebot durch etwa 2 100 Taxenunternehmen mit ihren nahezu 3 900 Taxen.

Im Februar 2006 wurde die „Hamburger Logistikinitiative” gegründet, die den Logistikbereich als Standortfaktor weiter voranbringen soll. Zur Logistikbranche im engeren Sinne gehören in Hamburg 5 700 Unternehmen. Von der Logistik abhängig sind in Hamburg 156 000, in der Metropolregion 230 000 Beschäftigte. Die Logistikbetriebe erbrachten im Jahr 2005 rund elf Prozent der Hamburger Bruttowertschöpfung. Damit ist die Bedeutung der Logistikbranche für den Standort etwa doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Einzelhandel

Jungfernstieg, Mönckebergstraße und Neuer Wall – Hamburger Straßennamen, die in einem Atemzug mit dem Berliner Ku–damm oder der Düsseldorfer Kö genannt werden. Die Innenstadt ist einer der attraktivsten Einkaufsstandorte für Käufer aus ganz Nordeuropa. Angelockt werden diese auch von dem bunten Einzelhandelsangebot der Altbauquartiere in Innenstadtnähe und der Lebendigkeit kleinerer Bezirks- und Stadteilzentren, die vom Facheinzelhandel geprägt sind. Mit der Eröffnung der Einkaufspassage Hanse-Viertel im Jahr 1980 nahm die Renaissance der westdeutschen Innenstädte ihren Anfang in Hamburg. Heute bilden die Passagen der Hamburger City-West einen geschlossen Einkaufsbereich von mehr als zwei Kilometern Länge. Jüngstes Schmuckstück ist die Europa-Passage, eines der größten deutschen innerstädtischen Einzelhandelsprojekte, das im Herbst 2006 eröffnet wurde.

Hamburg ist auch Sitz international ausgerichteter Handelsunternehmen: modische Accessoires von Bijou Brigitte, Brillen von Fielmann, Schuhe von Görtz, Preziosen von Juwelier Gerhard D. Wempe, alles für das Outdoorabenteuer von Globetrotter und Lebensmittel der Edeka. Allein fünf Unternehmen des Bekleidungseinzelhandels, die regelmäßig unter den Top 20 ihrer Branche rangieren, haben ihre Deutschland, Europa- oder Weltzentrale in Hamburg: Tchibo, Hennes & Mauritz, Zara, Peek & Cloppenburg und der Otto-Konzern als Weltmarktführer im Versandhandel.

Insgesamt erwirtschafteten 2005 rund 20 000 Betriebe mit knapp 80 000 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von 10,2 Milliarden Euro.

Gastgewerbe

Über 105 Millionen Tagesgäste kamen im Jahr 2006 an Alster und Elbe, dazu über sieben Millionen Übernachtungsgäste in den rund 280 Hamburger Hotels. 4 800 Gaststättenbetriebe bieten ihnen und den Einwohnern der Hansestadt kulinarische Genüsse für jeden Geschmack und Geldbeutel. Die enorme Bandbreite ausländischer Spezialitätengastronomie unterstreicht Hamburgs weltoffenen Charakter. Und mit zehn von Michelin ausgezeichneten Köchen nimmt unsere Stadt vor Berlin mit acht und München mit drei Sterneköchen deutschlandweit den Spitzenplatz ein. Die rund 280 Betriebe des Beherbergungsgewerbes bieten insgesamt an die 33 400 Betten. Trotz kontinuierlichem Kapazitätsausbaus hat die Auslastung der Häuser zugenommen – ein Zeichen für die hohe Attraktivität der Hansestadt.

Die Zahl der Übernachtungen ist im Jahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 11,6 Prozent

angestiegen, bei den ausländischen Gästen, die ein Fünftel der Gesamtübernachtungen ausmachen, waren es sogar 18,7 Prozent. Allein drei der 27 deutschen Luxushotels, die in der weltweit renommierten Vereinigung „Leading Hotels of the World” aufgenommen wurden, finden sich in Hamburg: das Hotel Atlantic Kempinski Hamburg, das Hotel Louis C. Jacob und das Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten, das schon seit der Gründung der Vereinigung angehört.

Im Jahr 2005 erzielte die Branche einen Bruttoumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro und konnte erstmals seit Jahren wieder einen Zuwachs (3,8 Prozent) erzielen. Die Zahl der Beschäftigten nahm bei den Vollzeitbeschäftigten um 1,8 Prozent zu, die der Teilzeitbeschäftigten um 12 Prozent.

Finanzwirtschaft

Hamburg ist einer der ältesten und größten Finanzplätze in Deutschland. Die 1558 gegründete Börse ist die älteste der in Deutschland ansässigen Börsen, und auch Deutschlands älteste Privatbank, die Berenberg Bank, wurde 1590 hier gegründet. 55 Banken und 24 ausländische Zweigstellen oder Repräsentanzen ausländischer Institute sitzen in Hamburg, darunter die größte deutsche Sparkasse Haspa und der weltgrößte Schiffsfinanzierer HSH Nordbank. Ein besonderes Merkmal des Bankenplatzes ist seine Vielfalt an privaten Banken. Unternehmen finden ein breites Finanzierungs- und Beratungsangebot bei Kreditinstituten, Bürgschaftsgemeinschaften und Beteiligungsgesellschaften. Schiffs- und Projektfinanzierung, vor allem Finanzierung von Außenhandelsgeschäften, gehören genauso zum Angebot wie Private Banking und Stiftungswesen.

Den dynamischen Veränderungen der Finanzmärkte tragen neue Angebote Rechnung wie der „Premium Capital Port”, mit dem vor allem kleine und mittlere Unternehmen einen einfachen und effizienten Zugang zum Kapitalmarkt erhalten, oder die im August 2002 von der Börsen AG eingerichtete „Fondsbörse Deutschland”. Diese Plattform bietet Anlegern die Möglichkeit, Anteile offener und geschlossener Fonds auf einem neutralen und überwachten Handelsplatz zu kaufen und zu verkaufen.

Die Unternehmen des Kreditgewerbes beschäftigen derzeit knapp 26 000 Mitarbeiter zuzüglich jener in Leasing- und Fondsgesellschaften, Bürgschaftsbanken und bei Finanzberatern. Versicherungen gegen Brandschäden oder Krankheiten sowie See- und Kreditversicherungen haben in unserer Handels- und Hafenstadt Tradition. Die Hamburger Feuerkasse versichert seit 1676 die Häuser Hamburgs und ist damit weltweit die älteste noch existierende Versicherung. Mit 23 520 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern in 152 Unternehmen und über 4 200 Versicherungsvermittlern und -maklern gilt Hamburg hinter München und Köln als drittgrößter und als vielseitigster Versicherungsplatz Deutschlands. An erster Stelle steht der Finanzplatz Hamburg im Bereich der Transportversicherung. Besonders hervorzuheben: Die deutschlandweit einmalige Versicherungsbörse, die größeren Risiken aus dem Transport- und Industriegeschäft einer Deckung zuführt.

Medien und IT

Hamburg ist traditionsreiche Verlagsstadt, kreative Werbemetropole, Gamecity, Filmstadt und Heimat der drittgrößten ARD-Anstalt, des NDR – Medienmetropole Nummer Eins. Über 60 000 Menschen arbeiten hier in 13 400 Betrieben aus Werbung, PR, Verlag, Druck, Rundfunk sowie Musik-, Film- und Fernsehwirtschaft. Fast 50 Prozent der Marktanteile der deutschen Publikumspresse werden von den Großverlagen Axel Springer, Gruner + Jahr und Heinrich Bauer gehalten. Hamburg bietet Medienunternehmen eine einmalige Kombination von Standortvorteilen: Eine Medienlandschaft, in der alle Branchen mit einer Vielzahl von Unternehmen vertreten sind, was für die zunehmende Konvergenz von großer Bedeutung ist, eine große Anzahl kompetenter Dienstleister, gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte – kurz: ein kreatives und innovatives Umfeld.

Die IT-Branche übernimmt eine Schlüsselstellung für die Entwicklung der elektronischen Geschäftsprozesse. Rund 7 500 Unternehmen mit 55 000 Beschäftigten arbeiten in der Softwareberatung und -entwicklung, Herstellung von Geräten und Bauteilen, Hardwareberatung, Datenverarbeitungsdiensten, Telekommunikation und Multimedia. Garanten für weiteres Wachstum sind insbesondere ein dichtes Branchennetzwerk, die Nähe zu den Kunden sowie ein vielseitiges Studienangebot. Zentrales Netzwerk der Branche ist die Initiative Hamburg@work. Nicht nur einige der größten internationalen Software-Unternehmen sind in Hamburg vertreten. Von hier aus operieren weltweit renommierte Anbieter sowie zahlreiche Spezialisten, darunter Dakosy im Bereich Logistik und ChessBase, Hersteller global führender Schachsoftware. Überhaupt wächst der Bereich der Spielesoftware außerordentlich dynamisch. Und auch beim elektronischen Handel mischen Hamburger Traditionsunternehmen mit. Vor allem die großen Versandhäuser nutzen erfolgreich das Potenzial des E-Commerce.

Besondere Dienstleistungen

In Hamburg hat das Geschäft mit Grund, Boden und dazugehöriger Bebauung bereits seit dem 13. Jahrhundert Konjunktur. Heute kümmern sich 2 700 Verwalter und 1 600 Makler um rund zwölf Millionen Quadratmeter vermietete Büroflächen. Im Jahr 2005 wurden in Hamburg Immobilien im Gesamtwert von 5,2 Milliarden Euro umgesetzt. Der Pro-Kopf-Umsatz der Immobilienwirtschaft von 2 980 Euro ist deutschlandweit der höchste und liegt weit über dem Bundesdurchschnitt von 1 666 Euro. Mehr als 3 000 freiberufliche und gewerbliche Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner führen ihre Geschäfte von Hamburg aus. Zunehmend wächst die Nachfrage nach Facility Management und Hausmeisterdiensten, die 2 248 hiesige Unternehmen anbieten. Auch das Sicherheitsgewerbe boomt: 391 Wach- und Sicherheitsdienste bewachen Gebäude, Personen, Veranstaltungen oder auch den öffentlichen Nahverkehr. Bei Bedarf stehen 233 Detekteien zur Verfügung.

Rund 6 200 Unternehmen bilden den hiesigen Beratungsmarkt rund um Recht, Steuern, Unternehmensfragen und Wirtschaftsprüfung und stellen damit die Hälfte der 12 000 Beratungsfirmen in Deutschland. 360 der 730 freiberuflichen und gewerblichen Wirtschaftsprüfer arbeiten in einer eigenen Praxis, während die übrigen in einer der rund 200 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften angestellt sind. Unternehmen können auf einen Pool von rund 400 Personaldienstleistern zurückgreifen. Hamburg ist die Hochburg der Zeitarbeitsunternehmen – 230 Firmen beschäftigen insgesamt 14 000 Mitarbeiter und damit rund vier Prozent der bundesweit in dieser Branche Angestellten.

Die Bildungswirtschaft setzt sich aus 830 Unternehmen zusammen, darunter die größte Fernschule Deutschlands, das ILS Institut für Lernsysteme, welches seinen Sitz in der Hansestadt hat. Unter den 1 500 Unternehmen der Kulturwirtschaft finden sich 40 Privatbühnen, 39 private Museen, 173 Künstleragenturen und -berater, 73 Theater- und Konzertveranstalter sowie 380 selbstständige Künstler, Moderatoren und Discjockeys. 1 091 Unternehmen zählen zur Sportwirtschaft, ergänzt um 154 Fitnesseinrichtungen und 84 Anbieter von Erholungsdienstleistungen. Als Kommunikations- und Informationsplattform für besondere Dienstleistungen, die sich in den vergangenen Jahren als Beschäftigungsmotor und Stütze der konjunkturellen Entwicklung bewiesen haben, hat unsere Handelskammer die Dienstleistungsfachmesse diwi (www.diwi-messe.de) initiiert, auf der sich jedes Jahr im November das Tor zur Dienstleistungswelt öffnet.

Gedruckte Exemplare können Sie in unserem Servicecenter erhalten.

DOKUMENT-NR. 43185

  • ANSPRECHPARTNER

  • Telefon: 040 36138-310
  • Fax: 040 36138-313

Kontaktdaten speichern (V-Card)
  • Telefon: 040 36138138
  • Fax: 040 36138401

Kontaktdaten speichern (V-Card)
  • WIRTSCHAFTSPOLITIK

  • AKTUELLE THEMEN