Im Ostseeraum leben – je nachdem wie weit man diese Region fassen will - zwischen 50 und 140 Millionen Menschen. Die skandinavischen und nordischen Staaten Dänemark, Schweden, Finnland, Teile Norwegens und der Nordosten Deutschlands zählen zum Ostseeraum ebenso wie die nordwest-russischen Regionen, Polen, Litauen, Lettland und Estland. Der Ostseeraum ist für Firmen in Hamburg und Norddeutschland ein für Kooperationen besonders interessantes Gebiet. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- die geografische Lage "vor den Toren" Norddeutschlands,
- die besondere wirtschaftliche Dynamik der Anrainerstaaten,
- zusätzliche Impulse durch den EU-Beitritt der "östlichen" Anrainerstaaten,
- die Funktion der russischen Ostseegebiete als "Tor nach Russland",
- kostengünstige Transportmöglichkeiten über die Ostsee,
- ein gemeinsames kulturelles und geschichtliches Erbe des "Mare Balticum".
Hinweise und Tipps zur Geschäftsanbahnung im Ostseeraum finden Sie unter nebenstehendem Link.
Der Ostseeraum hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Wachstumsraum von beeindruckender Dimension entwickelt. Beschleunigt wurde die Entwicklung durch die Aufnahme der baltischen Staaten und Polens in die EU. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise sparte die Region allerdings nicht aus. Sehr starke Einbrüche gab es in den baltischen Staaten. Robust zeigte sich hingegen die Wirtschaft Polens. Seit 2011 holen alle Volkswirtschaften der Ostseeregion wieder auf. Besonders stark fällt das Wirtschaftswachstum (nach aktuellen Zahlen des IWF) im östlichen Ostseeraum aus.
Eine Schere öffnet sich unter den Ostseeanrainern noch hinsichtlich der Wirtschaftsleistung pro Kopf. Im Vergleich zum EU-Durchschnitt aller 27 Staaten reichen zur Zeit die Werte von 52 Prozent des EU-Durchschnitts (Lettland) bis 125 Prozent (Dänemark) bzw. 179 (Norwegen).
Die westlichen Anrainerstaaten Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen sind fortgeschrittene Industrienationen und haben großer Bedeutung als Wirtschaftspartner Norddeutschlands. Aber Polen hat sich mittlerweile, hinter Russland, als zweitwichtigster Handelspartner Hamburgs im Ostseeraum etabliert. Die östlichen Anrainerstaaten, Estland, Lettland, Litauen und Polen bieten ein liberales und günstiges Umfeld für Geschäftsaktivitäten. Charakteristisch für die baltischen Staaten und Polen sind ihre gut ausgebildeten Arbeitskräfte, ihr attraktives Forschungs- und Hochschulwesen und eine große Aufgeschlossenheit für IT-Anwendungen. Alle Staaten sind EU-Mitglieder, Estland ist Mitglied der europäischen Währungsunion. Über die russischen Ostseeregionen bietet sich ein guter Einstieg in den chancenreichen russischen Markt.
Wirtschaftsdaten der Ostsee-Anrainerstaaten
| Bevölkerung 2010 in Mio.* | BIP** Wachstum in % | BIP pro Kopf 2010* |
|
| |
| | 2009 | 2010 | 2011 | |
| EU-27 | 501 | -4,3* | +1,8* | +1,8* | 100 |
| Deutschland | 81,8 | -5,4 | +3,6 | +2,5 | 119 |
| Dänemark | 5,5 | -5,2 | +2,1 | +2,0 | 125 |
| Finnland | 5,3 | -8,2 | +0,3 | +3,1 | 116 |
| Norwegen | 4,9 | -1,7 | +0,4 | +2,9 | 179 |
| Schweden | 9,3 | -5,3 | +5,7 | +3,8 | 123 |
| Estland | 1,3 | -13,9 | +3,1 | +3,3 | 65 |
| Lettland | 2,2 | -18,1 | -0,3 | +3,3 | 52 |
| Litauen | 3,3 | -14,7 | +1,3 | +4,6 | 58 |
| Polen | 38,2 | +1,7 | +3,8 | +3,8 | 62 |
| Russland | 143 | -7,8 | +4,0 | +4,8 | |
Quellen: * Eurostat, **IMF World Economic Outlook Database, April 2011
Der Hamburger Hafen
Im Gesamtumschlag des Hamburger Hafens, des Hafens "zwischen zwei Meeren", spielen die Ostseeanrainer eine bedeutende Rolle. Transportgüter gelangen durch Zubringerschiffe zu den Ostseehäfen. Auf diesem Wege wird ein großer Teil der Ladung von und nach Asien und insbesondere China, dem wichtigsten Partner des Hamburger Hafens, zwischen Ostsee, Nordsee und europäisches Hinterland transportiert.
Der Containerumschlag mit den Ostseeländern betrug 2010 1,4 Mio. TEU. gegenüber 2009 hat er damit um 20 Prozent zugelegt. Dennoch sind die Einbußen gegenüber den Ergebnissen vor der Wirtschaftskrise noch nicht wieder wettgemacht.
Containerumschlag Hamburg-Ostseegebiet 2003-2010
Quellen: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein; Hafen Hamburg Marketing e.V.
Außenhandel des Landes Hamburg mit den Ostseeländern im Jahr 2010
Knapp ein Zehntel des gesamten Hamburger Außenhandels entfallen auf die Ostseeanrainer. Insgesamt belief sich der Wert des Außenhandels zwischen Hamburger Unternehmen und Firmen aus dem Ostseeraum im Jahr 2010 auf 9,5 Mrd. Euro und ist damit höher als der Wert des Hamburger Außenhandels mit Nordamerika und Japan. Gegenüber dem Jahr 2009 bedeutete das Ergebnis ein Wachstum von 20 Prozent. (Die Zahlen beziehen sich auf alle Staaten, mit Gesamtrussland und Norwegen. Der anteilige Außenhandel mit den russischen Ostseeregionen lässt sich statistisch nicht gesondert erfassen.)
Hamburger Außenhandel mit den Ostseestaaten 2010
In der Rangfolge der wichtigsten Hamburger Handelspartner in der Ostseeregion im Jahr 2010 liegt Russland auf Platz 1, gefolgt von Polen.
Hamburger Außenhandel mit den Ostseestaaten 2010
- in Mio. Euro -
| Einfuhr | Ausfuhr | Gesamt- Umsatz |
| 1. Russland | 2013,5 | 490,4 | 2503,9 |
| 2. Polen | 1335,1 | 1049,1 | 2384,2 |
| 3. Norwegen | 1664,7 | 158,0 | 1822,7 |
| 4. Dänemark | 649,5 | 495,4 | 1144,9 |
| 5. Schweden | 641,3 | 326,0 | 967,3 |
| 6. Finnland | 130,1 | 132,7 | 262,8 |
| 7. Litauen | 185,7 | 25,9 | 211,6 |
| 8. Lettland | 37,9 | 21,0 | 58,9 |
| 9. Estland | 15,9 | 22,9 | 38,8 |
| Alle Länder | 6741,1 | 2720,3 | 9461,4 |
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein,
eigene Berechnungen
Wichtigste Hamburger Importgüter 2010:
| Aus Dänemark, Schweden, Finnland: | Pflanzliche Öle und Fette, Papier und Pappe, Mineralölerzeugnisse, chemische Erzeugnisse, Hebezeuge, Kupfer, Maschinen |
| Aus den baltischen Staaten: | Hebezeuge, Erdöl und Ergas, Kupferwaren, fotochem. Erzeugnisse |
| Aus Polen: | Druckereierzeugnisse, Pflanzl. Öle, Kupfer, Bleche |
| Aus Russland: | Erdöl und Erdgas, Mineralölerzeugnisse |
Wichtigste Hamburger Exportgüter 2010:
| Nach Dänemark, Schweden, Finnland: | Pflanzliche Öle, Kunststoffe, Hebezeuge, Düngemittel, Kupfer |
| In die baltischen Staaten: | Chem. Erzeugnisse, pflanzliche Öle, Mineralölerzeugnisse |
| Nach Polen: | Mineralölerzeugnisse, Erdöl, Kupfer, Legierungen |
| Nach Russland: | Luftfahrzeuge, chem. Erzeugnisse, Hebezeuge, Maschinen |
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein
Die Rolle Hamburgs im Ostseeraum
Für die Hansestadt Hamburg und die benachbarten Bundesländer hat die Zusammenarbeit mit den Ostseeanrainern eine Tradition, die bis in die Hansezeit zurück reicht. Mittels einer erfolgreichen "Politik der Elbe" konnte Hamburg die gewachsenen Verbindungen nach Russland auch in den Zeiten des Kalten Krieges aufrecht erhalten. In den ersten Nachkriegsjahren vereinbarten Politiker aus Hamburg und St. Petersburg eine Städtepartnerschaft.
Enge Zusammenarbeit mit den Ostseestaaten steht auch im Jahr 2009 auf der wirtschaftspolitischen Agenda des Hamburger Senats. Unsere Handelskammer setzt sich dafür ein, dass Hamburg noch mehr Profil in der Ostseepolitik zeigt und fordert, dass die Bundesregierung und die Europäische Kommission der Ostseeregion erhöhte politische Aufmerksamkeit widmen.
Einige prioritäre Infrastrukturprojekte zur Ostseezusammenarbeit sind aus Sicht unserer Handelskammer:
Die Ostseeautobahn A20 muss den wachsenden Transportbedarf decken, der durch das Zusammenrücken der Volkswirtschaften an der Ostsee entsteht. Diese Lebensader für die Ostseeanrainer soll ihre Fortsetzung als Via Baltica in Polen und im Baltikum finden. Weitere Informationen finden Sie unter "Mehr zum Thema".
Eine feste Fehmarnbelt-Querung ist als eine effiziente Lösung der wachsenden Verkehre in die Ostseeregion zu begrüßen. Weitere Informationen finden Sie unter "Mehr zum Thema".
Der Verein Europa-Korridor setzt sich für eine durchgängige Hochgeschwindigkeitstrasse von Skandinavien nach Mitteleuropa. Für den schnellen Personenfernverkehr wird ein modernes Verkehrssystem benötigt, das europäische Metropolen miteinander verknüpft und damit eine wirkliche Alternative zum motorisierten Individualverkehr bietet. 20 Mio. Menschen wohnen und arbeiten zwischen Stockholm, Göteborg, Kopenhagen und Hamburg.
Weitere Informationen zum Europa-Korridor finden Sie unter "Externe Links".
Unsere Handelskammer fördert und stärkt die Kooperationen Hamburger Firmen mit Ostseeanrainern durch vielfältige Maßnahmen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Kooperation mit dem Nordwesten Russlands, insbesondere mit St. Petersburg, mit dem Leningrader und dem Kaliningrader Gebiet. Die Handelskammer Hamburg unterhält in St. Petersburg und in Kaliningrad eigene Vertretungen. Diese haben die Aufgabe, bei der Anbahnung von Geschäften in beide Richtungen zu unterstützen, zu informieren und zu beraten. Näheres und Adressen finden Sie unter "Mehr zum Thema" bzw. "Externe Links".
Gremien und Institutionen der Zusammenarbeit zwischen Ostseeanrainern (Auswahl); s. auch die nebenstehenden Links:
Baltic Development Forum (BDF): Netzwerkorganisation mit Mitgliedern aus Politik, Unternehmen, Städten, Institutionen. Jährliche Summits. Sitz ist Kopenhagen.
Council of the Baltic Sea States (CBSS), "Ostseerat": Gremium der politischen Vertreter aller Ostseeländer. Turnusmäßig übernimmt ab Juli 2011 Deutschland den Vorsitz.
Baltic Sea States Sub-Regional Cooperation (BSSSC): Konferenz der Subregionen des Ostseeraumes
Baltic Sea Parliamentary Conference (BSPC): Parlamentarische Konferenz der Ostseestaaten
Baltic Sea Forum e.V. - Pro Baltica: Internationaler Verein, der das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenwachsen der Ostseeanrainer unterstützt. Sitz ist Hamburg.
Baltic Sea Chambers of Commerce Association (BCCA): Die Baltic Sea Chambers of Commerce Association BCCA ist ein Zusammenschluss von Industrie- und Handelskammern im Ostseeraum. Ziel ist es, der Region eine Stimme zu geben. Die BCCA repräsentiert 450.000 Unternehmen, deren Interessen sie schützen und vertreten will. Handel und Industrie sollen gefördert werden. Das geschieht über ein Angebot grenzüberscheitender Dienstleistungen an die Unternehmen und durch Beratung der Politik in Wirtschaftsfragen. Industrie- und Handelskammern aus Dänemark, Estland, Finnland, Deutschland, Litauen, Lettland, Norwegen, Polen, Russland und Schweden gehören dazu.
Hanse-Parlament: Privatrechtlicher Verband von über 40 Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Verbänden der miittelständischen Wirtschaft. Ziele sind die Stärkung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der Ostseeregion, Föderung des Mittelstandes, berufliche Qualifizierung, Unterstützung der Regionen.