Die feste Fehmarnbelt-Querung ist die logische Antwort auf die tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Europa in den letzten fünfzehn Jahren. Die Einbindung Russlands und der baltischen Staaten in die europäische Arbeitsteilung und die Nord- und Osterweiterung der Europäischen Union haben dem Ostseeraum nachhaltige Wachstumsimpulse versetzt. Diese Entwicklungen haben auch das wirtschaftsgeografische Koordinatensystem in Europa verändert. Hamburg, Schleswig-Holstein und Dänemark sind nun in eine zentrale Lage im Ostseeraum gerückt: Im Norden die hochentwickelten skandinavischen Volkswirtschaften, im Süden die westeuropäischen Ballungszentren und im Osten die dynamisch wachsenden Transformationsländer. Die Integration dieser Märkte und die wachsende Arbeitsteilung gehen einher mit einem zunehmenden Austausch von Waren und Dienstleistungen, von Kapital und Arbeit und von Ideen, was wiederum Grundlage für die Entstehung neuen Wissens, für Innovationen und für Wachstum ist. Je stärker Norddeutschland die Funktion eines Transferkreuzes für Verkehre zwischen Ost und West einerseits sowie zwischen Nord- und Zentraleuropa andererseits übernimmt, desto größer wird die Bedeutung der norddeutschen Verkehrswege als europäische Hauptverkehrsachsen.
Am 29. Juni 2007 haben sich die Verkehrsminister aus Dänemark und Deutschland grundsätzlich über den Bau der festen Fehmarnbelt-Querung geeinigt. Das von beiden Staaten unterzeichnete Memorandum sieht vor, dass Dänemark die Privatfinanzierung komplett über staatliche Garantien absichert. Die Kosten für die 19 Kilometer lange Querung und die Anbindungen an Land betragen 5,6 Milliarden Euro, die die dänische Seite mit 4,8 Milliarden fast allein trägt. Die deutsche Seite muss 800 Millionen Euro aufbringen für die Anbindung an Land. Beide Länder beabsichtigen für die Finanzierung EU-Zuschüsse zu beantragen. Die Fehmarnbelt-Querung ist wichtiger Teil der Transeuropäischen Netze.
Da es sich hier um einen zwischenstaatlichen Vertrag handelt, ist eine Ratifizierung seitens beider Parlamente notwendig. Das dänische Parlament hat dem Staatsvertrag über den Bau einer festen Fehmarnbelt-Querung bereits im März 2009 zugestimmt. Im Juni 2009 hat auch der deutsche Bundestag den Staatsvertrag gebilligt. Für Juli 2009 wird die abschließende Ratifizierung durch den Bundesrat erwartet. Anschließend muss noch Baurecht geschaffen werden. Somit ist mit einem Baubeginn nicht vor 2013 zu rechnen. Mit der Fertigstellung der Querung wird 2020 gerechnet. Dabei werden derzeit sowohl eine Brücken- als auch eine Tunnelalternative untersucht. Die Fahrzeit zwischen Hamburg und Kopenhagen wird sich dann um etwa 60 Minuten auf dreieinhalb Stunden verkürzen. Durch die Privatfinanzierung der Brücke werden keine alternativen Infrastrukturprojekte verdrängt oder verzögert realisiert.
Die Metropolregion Hamburg wird zu den großen Gewinnern der festen Querung über den Fehmarnbelt zählen. Sie hat die große Chance ihre Rolle als nordeuropäische Logistikdrehscheibe nachhaltig zu stärken. Die Brücke ermöglicht eine Arbeitsteilung zwischen den beiden Regionen Kopenhagen/Malmö und Hamburg. Eine Wachstumsachse entsteht. Hierfür ist aber die Bereitstellung effizienter Hinterlandanbindungen dringend erforderlich. Die Skandinavienverkehre werden sich erwartungsgemäß verdoppeln. Bis zu 12.500 Fahrzeuge werden dann täglich die Strecke nutzen. Erfahrungswerte, etwas aus dem Bau der Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö zeigen, dass sich die Verkehre dynamisch entwickeln. Die Bundesregierung ist hier in der Pflicht dafür zu sorgen, dass die enormen Wachstumspotenziale der Fehmarnbelt-Querung durch leistungsfähige Verkehrswege auf deutscher Seite realisiert werden können. Die Hamburger Wirtschaft steht hinter dem Bau der Fehmarnbelt-Brücke und fordert die Bundesregierung auf, sich konsequent für den Erfolg des Projektes einzusetzen.
Unsere Handelskammer gehört zu den Gründungsmitgliedern des Fehmarnbelt Business Councils, dem auch die IHK Lübeck, der Unternehmerverband Nord sowie der Dänische Industrieverband Danks Industri und die Confederation of Danish Commercial, Transportation and Service Industries angehören. Das Council hat sich zum Ziel gesetzt, die wirtschaftliche Entwicklung entlang der Wachstumsachse Öresund-Hamburg zu befördern. Zentrales Anliegen ist, parallel zur festen Querung auch eine "mentale Brücke" über den Fehmarnbelt zu errichten. Diese gedankliche Verbindung ist genauso wichtig wie die reale Brücke. Bereits heute sollen Unternehmer und Menschen auf dänischer und deutscher Seite über die Chancen der neuen Verbindung nachdenken, damit diese mit der Fertigstellung der Brücke sofort realisiert werden können. Das Fehmarnbelt Business Council (FBBC) wird daher Netzwerke zwischen den Unternehmen und Wirtschaftsorganisationen entlang der Wachstumsachse Öresund - Lübeck - Hamburg knüpfen, den Aufbau eines Wissenschaftskorridors zwischen Hamburg und Oslo begleiten, Chancen der ansässigen Unternehmen schon während der Planungs- und Bauphase nutzen, Vorschläge für ergänzende Infrastrukturmaßnahmen, Gewerbeflächenausweisung, die frühzeitige Mitarbeiterqualifizierung unterbreiten und die Chancen der neuen Wachstumsachse nach innen und außen kommunizieren.
Zur Herausbildung einer deutsch-dänischen Community entlang der Fehmarnbelt-Querung ist nach Auffassung unserer Handelskammer eine schienengebundene Hochgeschwindigkeitsstrecke Kopenhagen-Hamburg entscheidend. Ein solch komfortabler Verkehrsträger steigert die Reisebereitschaft und somit den Austausch zwischen beiden Gesellschaften - was wiederum für verstärkte wirtschaftliche Integration sorgt.