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STANDORTPOLITIK

Luxusmetropole Hamburg

Hamburg ist eine Luxusmetropole. Das Luxusmerkmal ist wichtiger Imagefaktor für die Stadt. Bislang galt die Luxusgüterbranche als relativ krisenfest. Doch die aktuelle Wirtschaftskrise scheint sich auch hier auszuwirken. Droht der Luxusmetropole Hamburg Gefahr?

Zahlreiche bekannte Produzenten von Luxusgütern haben starken Bezug zu Hamburg, zum Beispiel Wempe, Jil Sander, Joop, Steinway oder Montblanc. Sie stehen ebenso für hohe Wertschöpfung wie die vielen Facheinzelhändler, die im Luxussegment anbieten, allen voran die Anbieter von Schmuck, Mode oder von Designermöbeln. In die Luxuskategorie fallen aber auch einzelne Marken von Hamburger Traditionsunternehmen wie Beiersdorf oder Darboven. Dennoch: Die Luxusgüterbranche ist eine echte Querschnittsbranche. Zu ihr zählen neben den Herstellern „klassischer” Luxusartikel wie Parfums oder Schmuck auch Anbieter von Premium-Produkten aus vielen Segmenten. Lehrbücher definieren „Luxusgüter” als ästhetische, qualitativ und technisch hochwertige Produkte. Diese sind relativ wie absolut hochpreisig und nur beschränkt erhältlich. Sie erlauben über den konkreten Zweck eines Gutes hinaus eine soziale Positionierung des Konsumenten.

Luxus ist für Hamburg aber auch ein Imagefaktor: Shopping am Neuen Wall und Jungfernstieg, Übernachten im traditionsreichen Fünf-Sterne-Hotel oder die Haute Cuisine an der Elbe faszinieren Hamburger und locken jedes Jahr zahlreiche Touristen in die Stadt – mit entsprechender Multiplikatorwirkung für andere Bereiche. Viele kaufkräftige Kunden kommen aus China oder der Schweiz, allein Russen geben in Hamburg pro Jahr über 18 Millionen Euro aus.

Dass die Branche ein echter Standortfaktor für Hamburg ist, bestätigt auch Tina Benecke, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Neuer Wall: „Die Mischung aus internationalen Luxusmarken bei gleichzeitiger starker Präsenz vieler inhabergeführter Fachgeschäfte und -hersteller unterscheidet die Shopping-Stadt Hamburg von vielen anderen Metropolen. Einkaufen am Neuen Wall mit dem eleganten Flair der Alster ist für viele Hamburger, aber auch für Besucher aus dem In- und Ausland das gewisse Extra.”

Neben dem Neuen Wall, der traditionell für Luxusgüter-Shopping steht, entwickeln sich die Hohen Bleichen in diese Richtung. Viele Hamburger Einzelhändler spezialisieren sich gleichzeitig auf anspruchsvolle Kunden. „Das Luxus-Merkmal zieht sich durch weite Teile der Hamburger Wirtschaft. Es ist ein wichtiger Faktor für den Hamburger Einzelhandel und den gesamten Standort”, so Benecke.

Die aktuelle Wirtschaftskrise wirkt sich aber auch in der Luxusgüterbranche aus, was nicht nur die Insolvenzen von Lacroix und Escada zeigen. „Bei dieser Entwicklung handelt es sich um ein globales Phänomen, von dem die gesamte Branche betroffen ist”, sagt Antonella Mei-Pochtler, Senior Partnerin der Boston Consulting Group (BCG). Im internationalen Vergleich zeige sich, dass besonders die USA, aber auch Europa und Japan mit Umsatzrückgängen zwischen 10 und 15 Prozent massiv zu dieser Entwicklung beitragen. „Diese drei Märkte allein machen aber 75 Prozent des weltweiten Luxusumsatzes aus. Das leichte Wachstum in China und im Nahen Osten wiegt diesen Trend kaum auf”, erläutert Mei-Pochtler und ergänzt: „Wir erwarten frühestens in vier bis fünf Jahren wieder Umsätze auf Vorkrisenniveau.”

Damit sind Luxusmetropolen nach Einschätzung der BCG von der Krise besonders stark betroffen. Dies liege daran, dass die Hauptzielgruppe der Luxusgüterproduzenten, die 20 Prozent Topverdiener der Gesellschaft, nach Jahren stetigen Einkommenswachstums unter Einbußen durch wegfallende Boni und Finanzerträge leiden.

Gleichzeitig steht der deutsche Luxusmarkt, der insgesamt ein Volumen von etwa 12 Milliarden Euro umfasst, vor großen Herausforderungen. Nach einer Studie des Markenverbandes und der Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG lassen sich die Käufer von Luxusgütern in folgende Gruppen einteilen: Luxusaffine Einsteiger, etablierte Luxuskonsumenten sowie diejenigen, die Luxusmarken reserviert oder sogar distanziert gegenüberstehen. Für die Hersteller sind dabei die Luxuseinsteiger eine besonders wichtige Kundengruppe. Sie macht zwar nur ein Zehntel der Gesamtbevölkerung aus, jedoch wächst aus dieser Gruppe die neue Stammklientel der Etablierten.

Insgesamt steht der deutsche Luxusmarkt steht vor einem Wertewechsel, der die Anpassungsfähigkeit der Anbieter von Luxuswaren in besonderer Weise herausfordert, um das vorhandene Wachstumspotenzial auszuschöpfen. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung erwarten von Luxusgüter-Herstellern Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility. Die Studie der KPMG hat zudem ergeben, dass die Hersteller noch sehr großen Nachholbedarf in der Kommunikation ihrer Aktivitäten in diesem Bereich haben.

Diese Entwicklungen erfordern auch in der Luxusmetropole Hamburg eine intensive Betrachtung. Die Handelskammer regt daher einen übergreifenden Austausch der gesamten Luxusgüterbranche an und bietet sich hierfür als Plattform an.

 
 

DOKUMENT-NR. 55969

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