Europäische Azubis

Türöffner zur Karriere in Hamburg

Im Sommer 2013 begann Maria Guàrdia Fargues ihre Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen bei der HanseMerkur Versicherungsgruppe. Nun hat die Spanierin es geschafft: Am 19. Januar bestand sie ihre Abschlussprüfung. Ein Interview mit der Absolventin und ihrem Ausbilder [Bericht aus dem Magazin "Informationen zur Berufsbildung"]

Informationen zur Berufsbildung: Frau Guàrdia Fargues, für eine Ausbildung in Hamburg waren Deutschkenntnisse nötig. Wie haben Sie die Sprache gelernt?
Maria Guàrdia Fargues: Ich habe schon in meiner Heimat Deutsch gelernt. Außerdem schaute ich deutsche Filme und las deutsche Bücher und Zeitschriften. Gerade am Anfang hatte ich natürlich trotzdem viele Schwierigkeiten. Über das Förderprogramm MobiPro-EU wurde während der Ausbildung Deutschunterricht finanziert. Zudem habe ich ergänzend berufsbezogene Sprachkurse besucht, die vom Ausbildungsbetrieb bezahlt wurden. Jetzt habe ich ein fortgeschrittenes Sprachniveau.
IzB: Was war für Sie schwieriger: die neue Sprache zu lernen oder die deutsche Bürokratie zu verstehen?
Guàrdia Fargues: Einfach ist beides nicht. Aber Deutsch zu lernen ist auf jeden Fall erfreulicher. Ich bekomme oft wegen meiner sprachlichen Fortschritte Lob, auch wenn ich noch Fehler mache. Das motiviert mich, weiterzumachen.
IzB: Herr Bublies, wie beurteilen Sie als Ausbilder von Frau Guàrdia Fargues die finanzielle Unterstützung von MobiPro-EU?
Patrick Bublies: Die Unterstützung ist gut und bietet eine professionelle Grundlage für die Auszubildenden, um in Hamburg Fuß zu fassen und sich zu entwickeln.
IzB: Frau Guàrdia Fargues, in Ihrer Ausbildung mussten Sie sich oft mit Gesetzestexten befassen. Mal ehrlich: Wie lernt man, sich in einer anderen Sprache mit dieser Lektüre auseinanderzu setzen?
Guàrdia Fargues: Ich hatte keine Wahl als mich schnell daran zu gewöhnen. Außerdem hatte ich tolle Hilfe von einer ehemaligen Auszubildenden im Betrieb.
IzB: Wurden Sie von der Berufsschule auch besonders unterstützt?
Guàrdia Fargues: Ich hatte viel Glück. Die Lehrer und Mitauszubildenden waren von Anfang an verständnisvoll und hilfsbereit. Auch haben Herr Bublies und ich anfangs alle Aufgaben meiner Klausuren durchgearbeitet.
IzB: Sie sind die erste Teilnehmerin dieses Ausbildungsprojekts, die den Abschluss in der Tasche hat und sogar vom Betrieb übernommen wurde. Wie fühlt sich das an?
Guàrdia Fargues: Ich hatte große Angst vor der Prüfung und habe deshalb sehr viel gelernt. Ich wollte meinem Betrieb und mir zeigen, dass ich es schaffen kann. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Es ist aber kein individueller Erfolg. Ich teile ihn mit Herrn Bublies und allen, die mir geholfen haben. Dass die HanseMerkur mich inzwischen übernommen hat, ist wahrlich die Chance meines Lebens.
IzB: Herr Bublies, was macht denn Ihren gemeinsamen Erfolg aus?
Bublies: Ein "gut" in der schriftlichen Prüfung – das ist großartig! Sicher haben wir einen guten Rahmen geschaffen, in dem Maria wachsen konnte. Aber vor allem hat sie sich dieses Top-Ergebnis durch ihre überragende Motivation und große Einsatzbereitschaft selbst erarbeitet. Darüber hinaus waren der Kontakt zur Berufsschule, die Unterstützung der Lehrer und Mitazubis sowie der Handelskammer hilfreich. Ihnen allen danken wir von Herzen.
IzB: Frau Guàrdia Fargues, wie geht Ihre Familie damit um, dass Sie auch in den nächsten Jahren nicht in Ihrer Heimat Lleida sondern in Hamburg leben werden?
Guàrdia Fargues: Meine Familie freut sich sehr. Sie wissen, dass ich mich im Unternehmen wohl fühle und sie besuchen mich gern in Hamburg. Meine Mutter hat dieses Jahr angefangen, Deutsch zu lernen.
IzB: Hat sich das Hamburger Wetter irgendwie auf Ihr Gemüt ausgewirkt?
Guàrdia Fargues: Lleida ist eine Stadt, in der die Sonne nicht viel scheint. Aus diesem Grund ist mein Gemüt nicht vom Wetter abhängig.
Informationen: Die Handelskammer hat von 2013 bis 2016 in Kooperation mit der IHK Barcelona und der Mobilitätsagentur Arbeit und Leben Hamburg e. V. Jugendliche in Spanien, Bulgarien, Italien und anderen Ländern rekrutiert, um sie für eine Ausbildung an Hamburger Unternehmen zu vermitteln. "MobiPro-EU – the job of my life" ist ein auslaufendes Förderprogramm, das EU-Bürger zwischen 18 und 27 Jahren, die in Deutschland eine duale Ausbildung absolvieren möchten, finanziell unterstützt.