Tourismus

Neue EU-Pauschalreise-Richtlinie

Die verstärkte Nutzung von Onlineportalen zur Reisebuchung war der Auslöser für die Revision der ursprünglichen Pauschalreise-Richtlinie von 1990. Die EU-Pauschalreise-Richtline von 1990 regelt europaweit den Schutz von Ferienreisenden bei der Buchung einer Pauschalreise (Flug, Unterkunft, Mietwagen). Am 27. Oktober 2015 wurde die neue EU-Pauschalreise-Richtlinie verabschiedet. Ihre Ziele sind der Verbraucherschutz und die Schaffung von gleichen Regeln im Wettbewerb zwischen online- und offline-Vertrieb.
Bis Ende 2017 muss die Richtlinie vom deutschen Gesetzgeber in deutsches Recht umgesetzt werden. Angewendet werden sollen die Regeln ab Mitte 2018.
Die wichtigsten Änderungen sind:
Eine Pauschalreise liegt nach neuer Richtlinie auch bei „verbundenen Reisen“ vor, das heißt wenn Kunden zwar keine „klassische“ Pauschalreise aus dem Katalog bestellen, Anbieter aber individuell mehrere Urlaubsleistungen für den Kunden nach dem „Baukastenprinzip“ zusammenstellen.
Auch beispielsweise Beherbergungsbetriebe können hiervorn betroffen sein. Hierbei gilt eine 25 % -Regelung. Übertrifft der Preis der Nebenleistungen eines Arrangements 25 % des Gesamtpreises, greift die neue Pauschalreiserichtlinie. Diese neue Definition soll Rechtssicherheit schaffen.
Beispiele: 
Reise 1: 2 Personen, Übernachtung, Nebenleistung:
Unterbringung im Doppelzimmer       240 Euro
Gesichtsbehandlung (Nebenleistung)50 Euro
Massage (Nebenleistung)50 Euro
Gesamtpreis340 Euro
Der Anteil der Nebenleistung (100 Euro) beträgt mehr als 25 % des Gesamtpreises (340 Euro). Es liegt eine Pauschalreise nach neuer Richtlinie vor.
 
Reise 2: 4 Personen, Übernachtung, Nebenleistungen:
Unterbringung in 1 Doppelzimmer, 2 Einzelzimmern        520 Euro
Gesichtsbehandlung (Nebenleistung)50 Euro
Massage (Nebenleistung)50 Euro
Gesamtpreis645 Euro
Der Anteil der Nebenleistung (100 Euro) beträgt weniger als 25 % des Gesamtpreises (645 Euro). Es liegt keine Pauschalreise nach neuer Richtlinie vor.
 
  • Der Vermittler hat eine beschränkte Insolvenzabsicherungspflicht bei verbundenen Reisearrangements. 
  • Veranstalter und Vermittler werden zur Information verpflichtet. Sie müssen den Kunden informieren, ob eine Pauschalreise oder eine verbundene Reise vorliegt und in welchem Umfang der Kunde abgesichert ist.
  • Es gelten gleiche Informationspflichten für stationäre, „klassische“ Reisebüros und online-Anbieter.
  • Es gibt eine klare Begriffsabgrenzung zu sogenannten „Click-Through-Buchungen“. Dies sind vom Kunden selbst zusammengestellte Individualreisen, die durch Buchung von nacheinander verlinkten Internetseiten verschiedener Reiseanbieter entstehen. Sie können unter bestimmten Voraussetzungen als verbundenes Reisearrangement oder Pasuchalreise eingeordnet werden. Voraussetzung ist, der Anbieter schließt mit dem Kunden einen ersten Vertrag und leitet Namen, Zahlungsdaten und E-Mail-Adresse des Kunden an ein anderes Unternehmen weiter. Eine Online-Plattform vermittelt beispielsweise einen Flug als ersten Vertrag und leitet die Daten an einen Autovermieter weiter.
  • Für Geschäftsreisen gelten Sonderbedingungen. Liegt ein Rahmenvertrag zwischen Unternehmen und Reisebüros vor, fallen Geschäftsreisen nicht unter die Richtlinie.