. .

Illustration

RECHT UND STEUERN

Internationale Rechnungslegung IAS / IFRS

Um Konzernabschlüsse europaweit besser vergleichbar zu machen, hat die Europäische Union im Juli 2002 die sog. International Accounting Standards-Verordnung (IAS-VO) verabschiedet, der zufolge alle Abschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen ab dem 1. Januar 2005 zwingend nach den Vorschriften der International Financial Reporting Standards (IFRS) aufgestellt werden müssen. Kapitalmarktorientierte Unternehmen im Sinne der IAS-Verordnung sind Mutterunternehmen, deren Wertpapiere (Aktien und/oder Schuldverschreibungen) zum Handel an einem organisierten Kapitalmarkt innerhalb der Europäischen Union zugelassen sind. Dabei geht es aber nicht allein um Unternehmen, deren Aktien an einer Börse zum Handel zugelassen sind. Es sind auch diejenigen Unternehmen von der Neuregelung erfasst, von denen andere Wertpapiere, wie etwa Wandelanleihen, an einer innereuropäischen Börse gelistet sind.
Für alle anderen Konzernabschlüsse und den Einzelabschluss können die Mitgliedstaaten dagegen selbst entscheiden, ob und inwieweit sie auch hier eine Bilanzierung nach IFRS vorschreiben oder optional zulassen. Ziel des IFRS ist eine weltweite Harmonisierung der Rechnungslegung zu erreichen um somit die Vergleichbarkeit der Unternehmensbilanzen der verschiedenen Länder zu verbessern.
Rechtsetzung
Die IFRS werden von einer privaten Organisation formuliert, dem International Accounting Standards Board (IASB), der derzeit aus 16 Mitgliedern verschiedener Fachrichtungen besteht. Der IASB kooperiert bei seiner Arbeit unter anderem eng mit Investoren, Analysten, Gesetzgebern und Wirtschaftsprüfern aus der ganzen Welt. Zurzeit gibt es 41 Standards, die ständig überarbeitet und ergänzt werden.
In das EU-Recht müssen die IFRS jeweils einzeln auf dem Wege eines Anerkennungsverfahrens („endorsement“) übernommen werden. Hierbei wird der IFRS durch den  IASB verschiedenen Fachgremien der Europäischen Union vorgelegt, die diese mit einer Empfehlung an die EU-Kommission weiterleiten. Die Entscheidung liegt sodann im Wesentlichen bei der EU-Kommission, welche den ausgearbeiteten Übernahmevorschlag sodann dem Europäischen Parlament und dem Rat der Wirtschafts- und Finanzminister vorlegt. Jeder übernommene Standard wird in allen Amtssprachen im Amtsblatt der EU veröffentlicht, also auch in deutscher Sprache.
Rechnungslegung nach dem IAS / IFRS
In Deutschland wurde durch das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) die IAS-Verordnung in deutsches Recht umgesetzt. Mittelständischen Unternehmen, also nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen, in Deutschland haben durch den geschaffenen § 315a HGB ein Wahlrecht, ob sie neben einem HGB- Abschluss zusätzlich nach den IFRS bilanzieren wollen. Hinsichtlich der Frage, ob kleine und mittlere Unternehmen generell nach den IFRS bilanzieren sollten, gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen. Nach gegenwärtiger Rechtslage kann ein IFRS- Einzelabschluss lediglich eine zusätzliche Informationsfunktion zum HGB-Abschluss haben - er kann diesen jedoch nicht ersetzen. § 315 a Abs. 1 HGB schreibt darüber hinaus sowohl für verpflichtend als auch freiwillig aufgestellte IFRS-Konzernabschlüsse die Beachtung bestimmter nationaler Vorschriften (z.B. zum Lagebericht, zur Prüfung und Offenlegung von Konzernschlüssen und bestimmter Angaben gem. § 313 f. HGB) vor.
Beim Einzelabschluss eröffnet das BilReG großen Kapitalgesellschaften die Möglichkeit, dass in den Pflichtveröffentlichungen ein IFRS-Einzelabschluss an die Stelle des traditionellen HGB-Abschlusses treten kann. Das Unternehmen wird damit in die Lage versetzt, sich seinen Geschäftspartnern mit einem auf Informationszwecke zugeschnittenen, international verständigen Abschluss zu präsentieren. Für Zwecke der Ausschüttungsbemessung und der Besteuerung ist aber auch weiterhin ein HGB-Einzelabschluss aufzustellen. Unternehmen, die sich entscheiden auf IFRS umzustellen, müssen also auf längere Zeit sowohl einen Rechnungslegung nach IFRS als auch eine Rechnungslegung nach HGB erstellen. 
Zu beachten ist für alle Unternehmen, dass eine Bilanzierung nach den IFRS zwingend auf der jeweiligen Vergleichsperiode des Vorjahres basiert und so auch ausgewiesen werden muss. Die tatsächliche Umstellung auf die IFRS muss für Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen daher mindestens ein Jahr vor der erstmaligen Rechnungslegung nach IFRS zu erfolgen.
Unterschiede
Mit der Umstellung auf die IFRS ändert sich in der deutschen Rechnungslegung für die betroffenen Unternehmen einiges, denn sie verfolgen eine andere Philosophie als die bisher geltenden HGB- Regeln. Der Gedanke des Gläubigerschutzes und der Kapitalerhaltung, welcher bei der HGB- Rechnungslegung im Vordergrund steht, ist bei einer Rechnungslegung nach den IFRS nachrangig. Im Vordergrund steht vielmehr ein „shareholder- value“ – Ansatz: In erster Linie soll dem Informationsbedürfnis der Analysten und Investoren Rechnung getragen werden. Entsprechend marktnäher soll der Gewinnausweis ausfallen; stille Reserven werden offen gelegt. Dieser Bilanzzweck ist Hintergrund des angloamerikanischen Grundsatzes „true and fair view/fair presentation“, der über Art. 4 Abs. 3 der Richtlinie 2013/34/EU in        § 264 Abs. 2 HGB seinen Niederschlag gefunden hat. Danach hat der Jahresabschluss der Kapitalgesellschaft „ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens“ zu vermitteln.
Außerdem sind bei den IFRS die Möglichkeiten der Bilanzpolitik durch weniger Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte deutlich eingeschränkt. Im Gegensatz zum HGB, welches als code law ausgestaltet ist, sind die IFRS als case law geschrieben um möglichst viele Einzelfälle zu erfassen. Dies vermeidet zwar die Notwendigkeit einer Auslegung und Interpretation der einzelnen Vorschriften, schlägt sich jedoch im Regelungsvolumen nieder: Während die IFRS rund 1.000 Seiten umfassen, wird die Rechnungsregelung des HGB in knapp 100 Paragraphen geregelt.
Zudem ergeben sich Unterschiede bei der Bewertung einzelner Vermögenspositionen. Während gemäß § 248 Abs. 2 HGB immaterielle Vermögensgegenstände (Patente, Geschmacks- und Gebrauchsmuster, Urheberrechte, Lizenzen, Know How und ungeschützte Erfindungen) in einer HGB-Bilanz nicht aktiviert werden dürfen, kann nach den IFRS eine Aktivierung dann erfolgen, wenn der einzelne immaterielle Vermögensgegenstand wahrscheinlich einen Zufluss von ökonomischen Nutzen mit sich bringt und eine zuverlässige Bewertung dieses Vorganges möglich ist. Demgegenüber sind beispielsweise die Ermessensspielräume bei der Ausweisung von Rückstellungen im Rahmen der IFRS weitaus geringer als nach dem HGB.
Einzelabschlüsse nach IFRS sind – im Gegensatz zu Konzernabschlüssen – nicht befreiend, es muss also in Deutschland eine zusätzliche Handelsbilanz aufgeführt werden.
 
International Accounting Standards Board
30 Cannon Street, London EC4M 6XH
United Kingdom
oder info@drsc.de
Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee e.V.
DRSC e. V.
Zimmerstraße 30
10969 Berlin
Fax +44 20 7246 6411
Fax 030 2064 1215

 

Bookmark setzen bei: Twitter Bookmark setzen bei: Facebook Bookmark setzen bei: XING  Bookmark setzen bei: MySpace Bookmark setzen bei: Yahoo Bookmark setzen bei: Google
 
 
  • ANSPRECHPARTNER

  • Telefon: 040 36138-365
  • Fax: 040 36138-533

Kontakt speichern

DOKUMENT-NR. 20648