Jahrespressekonferenz

Hamburger Unternehmen beklagen Bürokratielasten

Kammer stellt Umfrage bei Jahres-PK vor: Steuern und Abgaben sind Ärgernis Nummer 1
Hamburg, 14. Februar 2017 – Fast die Hälfte der Hamburger Wirtschaft (47,7 Prozent) beklagt Investitionshemmnisse in Hamburg. Das geht aus einer repräsentativen Online-Umfrage hervor, die Präses Fritz Horst Melsheimer bei der Jahrespressekonferenz der Handelskammer vorstellte. Als größte „Bürokratielasten“ nannten die befragten Firmen die „Höhe der Steuern und Abgaben“ (69,7 Prozent), „Unzureichende finanzielle Unterstützung durch den Staat“ (57,6 Prozent) und die „Bearbeitungsdauer von Vorgängen durch die Verwaltung“ (53,9 Prozent). Die Handelskammer wird ihre Interviews fortsetzen und besonders gravierende „Hamburger Regelungen“ identifizieren, die weniger Bürokratie entgegenstehen.
Die Kammer kündigte an, sowohl die Mitglieder bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle intensiv zu begleiten als auch die eigene Digitalisierung voranzutreiben. Vizepräses Christina Jagdmann nannte als Beispiel die Federführung beim „Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg“. Im Rahmen dieses Zukunftsprojekts, das vom Bundeswirtschaftsministerium mit vier Millionen Euro gefördert wird, wolle die Handelskammer „mit zahlreichen Veranstaltungen, Workshops und Seminaren Unternehmen dabei bestärken, digitale Projekte anzugehen und gleichzeitig selbst konkrete digitale Umsetzungsprojekte in den Firmen anschieben“, so Jagdmann. Besonderes Augenmerk wird die Kammer überdies auf Firmen in der Gesundheits-, Immobilien- und Finanzwirtschaft legen, deren Geschäftsmodelle auf neuen technologischen Entwicklungen beruhen. Ferner plant Handelskammer im kommenden Herbst eine Unternehmerreise ins Silicon Valley.
Die Kammer, berichtete Jagdmann weiter. habe den direkten Kontakt zu ihren Mitgliedern weiter ausgebaut: Mitarbeiter hätten im vergangenen Jahr über 5.000 Mitgliedsunternehmen besucht, und es sei innerhalb eines halben Jahres gelungen, die neue Facebook-Seite zu eine der drei reichweitenstärksten der deutschen IHKs aufzubauen. Intensiviert wurden auch die Vor Ort-Aktivitäten: Die Zahl der Veranstaltungen in den Bezirken stieg von 8 im Jahr 2014 auf 99 in 2016 an. Damit konnten mit 6.800 Teilnehmern mehr als doppelt so viele Mitgliedsunternehmen erreicht werden wie im Jahr zuvor.
Daneben gelang es der Kammer, bei Problemen der Firmen mit der Stadt wiederholt erfolgreich zu intervenieren: Zum Beispiel konnten die Nachfolge des Automobilhändlers Mercedes Brammer an der Rothenbaumchaussee gütlich geregelt sowie die Taxenplätze beziehungsweise 92 Parkplätze vor der Neuen Flora und in der Papenhuder Straße erhalten werden. Die Kammer-Mitarbeiter der Abteilung „Migrantische Unternehmen“ führten 2016 über 170 Firmenbesuche und fünf Vor-Ort-Veranstaltungen mit 75 Teilnehmern in migrantisch geprägten Stadtteilen durch. Seit November 2015 wurden fünf Marktplätze der Begegnung organisiert, bei denen insgesamt über 200 Unternehmen mit über 5000 Flüchtlingen in Kontakt traten. Nächster Termin ist der 11. April. Alle diese Aktivitäten sollen laut dem Präsidium der Handelskammer weiter ausgebaut werden.
Bei der Frage der Altersvorsorge informierte Vizepräses Andreas Bartmann über eine Dienstvereinbarung mit dem Personalrat. Darin wurden Einschnitte in das Versorgungswerk vereinbart, die eine Entlastung der Rückstellungen in Höhe von voraussichtlich zehn Millionen Euro zur Folge haben werden. „Der Wirtschaftsplan 2017 sieht nach Beitragssenkungen in den Jahren 2012 bis 2014 stabile Beitragssätze im dritten Jahr in Folge auf dem gleichen Niveau wie bislang vor“, so Bartmann. Dies sei Ausdruck einer umsichtigen und vorausschauenden Wirtschaftsplanung.
Die Handelskammer ist seit 1665 die Selbstverwaltung der gewerblichen Hamburger Wirtschaft. Sie vertritt die Interessen von etwa 160.000 Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung, ist kundenorientierter Dienstleister für unsere Mitgliedsfirmen und unabhängiger Anwalt von Markt, Wettbewerb und Fair Play. Wir beraten Unternehmen, wir bündeln Interessen und wir bilden Menschen. Über 700 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Industrie, Handel und Dienstleistungen engagieren sich ehrenamtlich bei uns als gewählte Vertreter ihrer Branchen in über 30 Gremien. Sie tragen entscheidend zur Meinungsbildung der Handelskammer bei. Außerdem nehmen 4.000 ehrenamtliche Unternehmensvertreter die Prüfungen in der dualen Berufsausbildung ab, die uns der Staat per Gesetz als hoheitliche Aufgabe übertragen hat. Unser Leitsatz heißt: „Wir handeln für Hamburg.“