Dienstleistungsbarometer IV/2016

Fachkräftemangel größtes Risiko bei den Dienstleistern

Handelskammer-Barometer zeigt gute Stimmung in der Branche mit Wolken am Horizont
10. März 2017 – Zum Jahresende 2016 liegt der Geschäftsklimaindex der Dienstleistungsbranche mit 125,9 Punkten leicht unter dem Vorjahreswert. Die Stimmung ist damit deutlich positiver als in der Hamburger Wirtschaft insgesamt (112,1 Punkte). Das ist das Ergebnis der vierteljährlichen Befragung der Handelskammer unter den Unternehmen der Dienstleistungsbranche. Der Geschäftsklimaindex berechnet sich aus den Beurteilungen der gegenwärtigen und künftigen Geschäftslage: Die aktuelle Lage wird dabei von fast der Hälfte der befragten Unternehmen mit gut bewertet, nur 3,4 Prozent halten sie für schlecht. Bei der Geschäftsentwicklung geht fast jedes fünfte Unternehmen von einer Verbesserung aus und nur jedes zehnte von einer Verschlechterung. Der Großteil der befragten Unternehmen rechnet mit einer gleichbleibenden Entwicklung.
Trotz des grundsätzlich guten Geschäftsklimas sind ein paar Wolken am Horizont aufgezogen: „Der Fachkräftemangel, die politische Großwetterlage und Schwierigkeiten bei der Finanzierung lassen Hamburgs Dienstleister zunehmend vorsichtiger agieren“, sagt Astrid Nissen-Schmidt, Vorsitzende des Ausschusses für Dienstleistungswirtschaft der Handelskammer. „Der Fachkräftemangel trifft die Branche besonders, da das gute Geschäftsklima mit optimistischen Personalplanungen einhergeht.“ Fast jedes dritte Unternehmen beabsichtigt, den Personalbestand aufzustocken. Mehr als jeder zweite Betrieb (55,8 Prozent) befürchtet aber, in den nächsten zwölf Monaten nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. In der Hamburger Wirtschaft insgesamt ist der Fachkräftemangel nur das zweitgrößte Risiko (39 Prozent) nach den aktuellen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (46,7 Prozent). Hierin sehen bei den Dienstleistern immerhin noch 43,8 Prozent eine Gefahr. In der Branche klagt außerdem jeder siebte Betrieb über Finanzierungsprobleme, das ist deutlich mehr als in der Hamburger Gesamtwirtschaft (7,3 Prozent).
Ein weiterer möglicher Vorbote für eine zukünftige Abkühlung des Geschäftsklimas sind die  Einschätzungen hinsichtlich der Investitionen. „Leider müssen wir feststellen, dass viele Dienstleister weniger Investitionen planen,“ so Nissen-Schmidt. Zwar erwarte jedes fünfte Unternehmen eine positive Entwicklung, die gleiche Anzahl Befragter rechne aber auch mit einer Verschlechterung. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen gleicht sich damit aus. Im Vorjahresquartal blickten noch mehr Unternehmen optimistisch in die Zukunft, der Saldo lag bei 17,3 Punkten.
Das Hamburger Dienstleistungsbarometer ist eine vierteljährliche Sonderauswertung des Konjunkturbarometers der Handelskammer. Es informiert über die Stimmung in der Dienstleistungswirtschaft insgesamt und in den fünf Dienstleistungszweigen unternehmensbezogene Dienstleistungen, personenbezogene Dienstleistungen, Immobilienwirtschaft, PR- und Unternehmensberatung sowie Gesundheitswirtschaft. An der Umfrage für das vierte Quartal 2016 haben sich etwas mehr als 200 Dienstleister beteiligt.
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